Wintersonnenwende

 

Erbittert kämpfen Licht und Finsternis, 

aber langsam, ganz allmählich siegt das göttliche Licht wieder. 

Es ist Sonnenwende, der Tag, von dem an es wieder aufwärts geht.

(Fritz Trattnigg)

 

 

Maria die Sonnenfrau-Frautragbild Gastein

 

 

Das Lichtkind wächst heran Frautragbild Lungau

Jesuskind im Sonnenstrahlenkranz

 

 

Weihnachten Museum Goldegg:

die Geburt des Christkindes

 Geburt des neuen Lichtes

(Bericht und Fotos von Bruni)

 

 

 

 

Kathrein - "Sunn-abi-lasser"

Heilige Katharina Rauriser Flügelaltar

Das Symbol der heiligen Katharina ist das Rad. Sie vertritt die Sonnengöttin, die den Lauf der Sonne beeinflusst, deren Strahlkraft jetzt im November immer schwächer wird. 

Der bekannte Spruch: „Kathrein, sperrt Pflug und Tanz ein“, weist auf das Ende der Erntezeit.

In der Ukraine gab es einen Tanz, der Zucok genannt, er bewegte sich im Sonnenlauf um die Kirche. Im Bundesland Salzburg hiess es das „Sunn-a-zuckn“, oder der „Sunn-abi-lasser“, die Sonne verschwinden lassen, deutet auf vergangenes Brauchtum, das noch ganz eng mit den Rhythmen des Jahreskreislaufes in Verbindung stand. 

 

Die meisten Arbeiten werden ab jetzt im Haus verrichtet, die Frauen Spinnen, Weben und Stricken, die ersten Weihnachtskekse werden gebacken.

  

Spinnrad im Museum von Goldegg
Webstuhl im Museum Goldegg
Gesponnenes Garn Museum Goldegg

In vielen gotischen Kirchen gibt es sogenannte Katharinen - Räderfenster, mit 12 Kreisen um einen mittleren, größeren Kreis angeordnet. Das symbolisiert die Sonne und den Jahreszyklus der zwölf Monate.

 

Frankreich Provence Kloster Frigolet
Klosterfenster Frigolet im Inneren der Kirche

 

Die Heilige Katharina der Pfarrkirche St. Veit im Pongau, hat ein zerbrochenes Rad. 

Ist hier das Wissen um die Ganzheit der kosmischen Rhythmen in Vergessenheit geraten? 

 

 

Samheim

Die romanische Friedhofskirche von Mauterndorf, im Ortsteil St. Gertrauden, gehört zu den ältesten Kirchen im Land Salzburg. Erst im Jahr 1513 wurde sie der heiligen Gertraud geweiht, im Jahr 1617 noch als Pfarrkirche von „Altmauterndorf“ bezeichnet. 

 

Ein Schalenstein, der sich jetzt beim Eingang der Friedhofsmauer befindet, ist ein Zeugnis für einen hier ausgeübten Steinkult unserer Ahnen, die einst heilsames Wasser aus den Schalensteinen schöpften, oder Blumen, Getreidekörner und Früchte als Opfer für die Göttin des Ortes hineinlegten. 

 

Eingemauerter Schalenstein beim Eingang der Friedhofsmauer

Im Inneren der Kirche weisen Bilder der Mutter Anna, dargestellt als Anna Selbdritt, auf die einstige Funktion der Muttergöttin als Seelenhüterin. Sie erwartet die verstorbenen Seelen in der Anderswelt, in ihren Mutterschoß kehren alle Lebewesen zurück. Eine alte Lungauer Redensart wenn jemand im Sterben lag lautete: „Die Muatta Anna woat eh scho auf sie, oder auf eahm.“

 

Anna Selbdritt, Friedhofskirche Mauterndorf

Ana bedeutet Großmutter und Mutter sie war eine Leben und Tod bringende Muttergöttin. In christlicher Symbolik übernahmen jedoch auch Heilige Frauen wie Gertraud und Katharina ihre Nachfolge. 

 

Ein Fresko der Sonnenuhr am Kirchturm von St. Gertrauden zeigt die Heilige Gertraud im dunklen Gewand, mit einem Bischofsstab, an dem weiße Mäuse auf und ab klettern. Mäuse gelten als Symbol für die Seelen der Verstorbenen, weiß ist die Farbe des Todes und der Knochen. Die schwarze Katze zu ihren Füßen war früher das Begleittier weiser Frauen, wurde für spätere Kulturen jedoch zum Symbol der hässlichen, dämonisierten Hexe. 

Die Heilige Katharina trägt unter ihrem Mantel ein weißes Kleid, in den Händen hält sie ein Buch, das Zeichen weiblicher Weisheit und einen blühenden Zweig, der auf die Wiedergeburt und Erneuerung des Lebens nach dem Tod hinweist.

 

Heilige Katharina mit grünendem Zweig, Heilige Gertraud mit Stab weißen Mäusen und schwarzer Katze

St. Gertrauden galt als Ort der schwarz-weißen Göttin, die für den Tod und die Erneuerung des Lebens zuständig ist, in ihre paradiesische Jenseitswelt kehren die verstorbenen Seelen zurück. Heute schützt die heilige Katharina vom Winterbeginn bis zum Frühling diesen Platz, die heilige Gertraud vom Frühling bis zum Herbst. Somit liegt der Kreislauf vom Sterben und der Wiedergeburt immer noch in weiblichen Händen, was sehr tröstlich auf uns wirkt.

 

Totenkult und Ahnenverehrung

 

Die Sagen von Totenmessen weisen auf die Totenkultzeit im Herbst und Winter, in der sich nach den religiösen Vorstellungen unserer Ahnen die Tore der Anderswelt für eine bestimmte Zeit öffnen und die Verstorbenen zu Besuch in die Wohnungen ihrer Vorfahren kommen. 

In umgekehrtem Sinn stirbt in dieser Zeit die Vegetation, alle abgestorbenen Seelen der Tiere, die Pflanzenkeime und in einem Jahr gestorbene Menschen, ziehen sich in die Innere Welt der Erde, in die sogenannte Anderswelt zurück.

( W. Menzel, Die vorchristliche Unsterblichkeitslehre, S 157) 

Michael Dengg hat eine Sage überliefert, die von einer geheimnisvollen „Totenmesse“ in der Friedhofskirche von St. Gertrauden berichtet:

 

Ein Wanderer ging einmal zur mitternächtlichen Stunde an der Friehofskirche zu St.Gertrauden (bei Mauterndorf) vorüber. Da sah er alle Fenster in der Kirche hell erleuchtet und lauter Orgelklang tönte ihm entgegen. Neugierig in die Kirche eintretend, sah er dieselbe mit andächtigen gefüllt. Der Priester am Altare las die Messe. 

Während derselben erfolgte ein allgemeiner Opfergang, wie er bei einer Leichenfeier üblich ist. Bei diesem Opfergang sah der Wanderer viele bekannte Leute, die aber alle, soviel er sich erinnerte, schon gestorben waren. Da kam es ihm plötzlich zum Bewusstsein, dass alle diese in der Kirche versammelten Leute, die dieser nächtlichen Totenfeier anwohnten, nicht mehr zu den Lebenden gehörten. Als er diese Wahrnehmung machte und sah, dass er mitten unter Toten sich befinde, befiel ihn plötzlich eine geheime Furcht und wie von unsichtbaren Händen geschoben, ging er wieder zur Kirche hinaus. Draußen im Friedhofsacker blieb er, noch vom Banne des geschauten umfangen, ein wenig stehen. Da kündete die Turmuhr der nahen Pfarrkirche zu Mauterndorf die zwölfte Stunde. In diesem Augenblick erloschen die Lichter der Kirche, das Orgelspiel hörte auf, die Geister kehrten wieder in ihr Totenreich zurück und Grabesstille und mitternächtiges Dunkel umfing die Kirche und den 

Gottesacker von St. Gertrauden. Michael Dengg, Lungauer Volkssagen

 

Zu Allerseelen zeigten sich die Seelen der Toten für sensitive Menschen als nächtliche Erscheinungen wie in den Sagen der „Totenmessen“ erzählt wird, aber auch als weiße Nebelschwaden, oder als Tiere, wie Kröten und Schlangen. Frau Berchta nahm im Herbst mit der wilden Jagd das Wachstum der Natur mit, Altes stirbt im Herbst und wird nach einer Ruheperiode im Winter wieder neu geboren. (Bericht und Fotos von Bruni)

 

 

Die Frau Percht im Lungau

Zell am See - Woazfrau

Endlich ein freier Tag im August – und – Regenwetter :-( , dies sollte sich aber im Laufe des Tages als Gewinn herausstellen, das weiss frau aber vorher oft nicht. Bruni und ich trafen uns also in St. Johann und fuhren gemeinsam in den Pinzgau. 

In Zell am See wartete schon Brunis Tochter Theresia auf uns. Voller Stolz zeigte sie uns ihr  Atelier, wo sie als Designerin und Firmenchefin arbeitet. Ihre Modefirma „ Mirabell Plummer“ ist ja weit über den Pinzgau hinaus bekannt. Die Näherinnen, die nach dem Motto „Gmocht im Pinzgau“ arbeiten, waren schon fleißig. Oh die wunderschönen Kleider, Prinzessin müsste man sein.

 Eine Kaffeepause mit liebevoll gefertigten Geschenken, der Tag versprach also nur Gutes!

 

Die Woazfrau von Zell am See

 

Zell am See liegt im Herzen des Pinzgaues, wo sich viele Verkehrswege kreuzen, es hieß in den ältesten Aufzeichnungen Bisontia, die keltischen Bewohner des Gaues hießen  Ambisontier oder Ambisunter.

Amb –is -onta bedeutet das heilige Wasser der Ambeth, Annabeth, in der wir die einstige Landschaftsgöttin der Region erkennen.

 

Anna-Beth ist eine Wassergöttin mit ambivalentem Charakter.  Sie spendet Sonnenschein und Regen, sie lässt das Getreide wachsen und schenkt den Menschen Brot-Nahrung.

Wir erkennen in ihr die Tod und Leben schenkende Göttin, die nach früheren Glaubensvorstellungen in einem unterirdisches Seeparadies lebte.

 

Ihre Kultur und ihre Kult-Orte sind versunken, sie mussten in den Untergrund gehen. Das ist die wahre Bedeutung der Sagen von versunkenen Kirchen und Städten. Eine geheimnisvolle Sage berichtet auch in Zell am See von zwei Schwestern, deren Schloss im See versunken sein soll. 

 

Der verwunschene See

 

Wo heute der See ist, waren einst schöne Felder und mitten drinnen ein Schloß, das mit einer Mauer umfriedet war. Innerhalb der Mauern stand auch eine Kirche. Das Schloß gehörte einem Grafen, der zwei Töchter hatte. Die eine von diesen war blind. Als der Vater gestorben war, gerieten die Schwestern wegen der Erbschaft in Streit. Die sehende Schwester hat die Blinde in vielen Stücken betrogen. Die Blinde rief den Herrgott um Gerechtigkeit und Hilfe an. Da wurde das Firmament schwarz und ein unerhörtes Hagelwetter prasselte hernieder. Von allen Seiten stürzten die Wildbäche mit Ungestüm herab, das Tal füllte sich mit Wasser, das immer höher stieg. Bald war nichts mehr zu sehen von den schönen Feldern, das Schloß und die Kirche versanken im Wasser. 

So entstand der große See, der Jungfraunsee genannt wurde. Der Wirt, der am See ein Fischrecht hatte, sagte, dass die Fischer öfter einen Kirchturm und ein Schloß auf dem Grunde des Sees gesehen haben, wenn das Wasser ganz ruhig und klar war.

R. Freisauff , Salzburger Sagenbuch

 

In den zwei Schwestern erkennen wir die Doppelbedeutung der Göttin, deren vielfältige Funktionen aufgespalten und getrennt wurden. In der kleinen Friedhofskapelle, mitten in Zell am See, haben wir ihre christliche Nachfolgerin gefunden, von der  Pfarrer Franz Jantsch berichtet: 

An Stelle der jetzigen Friehofskappelle stand einst eine Frauenkirche, in der die „Weiße Frau im Pinzgau“ verehrt wurde, eine Weizenährenmadonna im blauen Kleid, das mit goldenen Weizenähren bestickt war. Die Muttergottes wurde als Beschützerin der Fruchtbarkeit verehrt und angerufen.

 

Wir bewunderten auch eine Marienstatue mit kostbarer Ausschmückung, ihr blütenreiches Kleid in den gold-silbrig, blau-weißen Farbtönen, spiegelt den See und die Schönheit der umgebenden Landschaft. Leider trägt sie keine goldenen Weizenähren mehr die Franz Jantsch 1994 noch sah: 

Links beim Eingang in einem gläsernen Kasten ist eine Marmorstatue, die bekleidet ist und in der rechten Hand goldene Ähren hält. Sie wird vom Volke „Woazfrau“ genannt und bei der Fronleichnamsprozession mitgetragen. 

 F. Jantsch, Kultplätze im Land Oberösterreich und Salzburg, S 251

 

 

Im Gartenhaus am Zeller See, das uns für diesen Tag zur Verfügung stand, verbrachten wir die weiteren Stunden mit Austausch, Bücher schmöckern und auch der „bacherlwarme“ See tat unsern Füßen so gut.

  

Heilquelle St. Wolfgang am Weichselbach

 

Das Abschlussziel des Tages war die Heilquelle in Fusch an der Glocknerstraße, hier erwies sich der Regen als Segen. Die Straße führt weit hinauf und wir begegneten keiner Menschenseele. Ein Hirsch soll einst zur Auffindung dieser Quelle geführt haben, deren Ruf als Gesundbrunnen und Augenheilquelle  weitum bekannt war. In den Jahren 1792 bis 1800 sollen pro Jahr über 3000 Heilungssuchende zur Quelle gepilgert sein.  

Franciscus Hanslmann beobachtete die Umgebung der Quelle sehr genau und schreibt: „Längs seinem Rinnsale hin werden Gras und Kräuter mit einer feinen und glänzenden Kruste, wie mit Firniss überzogen, welche nicht so sehr einem Moose, als vielmehr einem krystallinischen Anfluge ähnelt. Das Wasser soll sich nach der Jahreszeit ändern; so dass es im Hochsommer der Güte nach am besten, am frischesten, kältesten, im Winter aber schlecht, fade und zum Trinken unangenehm sey“. 

 

 

Die Quelle ist herzförmig gefasst, eine würdige Art diesen Ort zu ehren, das Wasser ist köstlich und eiskalt. Wir genossen die Ruhe und Einzigartigkeit dieses Ortes und konnten uns gut vorstellen, wie sich einst die Bauern, Bäuerinnen und Mägde aus der Umgebung hier trafen, um das Wasser zu trinken und sich darin zu baden. Am einzigen Herd der Badestube kochten sie gemeinsam ihre Mahlzeiten, tauschten sich im Gespräch über ihre Leiden, Krankheiten und Schicksalsschläge aus. Damit stärkten sie sich wohl gegenseitig und durften so  an diesem wunderbaren Ort der Heilkraft „Gesundung“ erfahren.

 

Sommer – Sonnenwende

Wenn die Sonne im Juni ihren Höchststand erreicht, folgt die Sommer Sonnenwende, ein sehr bedeutsamer Abschnitt im Jahreskreislauf. Den zwölf heiligen Tagen der Wintersonnenwende zu Weihnachten, stehen zwölf  heilige Tage der Sommer Sonnenwende gegenüber.

 

Die Göttin, als frühlingshafte weiße Maibraut, verwandelt sich nun in die reife, rote Sommerkönigin, die mit ihrem Liebespartner Hochzeit feiert. Diese „Heilige Hochzeit“ vollzieht sich alljährlich als kosmisches Ereignis. Die Vereinigung von weiblichen und männlichen Kräften erzeugt immer wieder neues Leben, Wachstum, Freude und Fülle. 

Für die matriarchalen Kulturen Alteuropas war es das wichtigste Fest des ganzen Jahres, das  sehr intensiv, mit kultisch erotischem Tanz und Ritualen wie Feuer- und Orakelbräuchen gefeiert wurde. Die Sagen und Bräuche im Land Salzburg beinhalten viele wichtige Hinweise für die Landschaftsmythologie, die immer wieder den Wurzeln unserer Vorfahren nachspürt.  

 

Reiftänzer-Gruppe im Lungau ( 8 Paare)

Plantenreigen - Sternentanz


 Den Reiftanz tanzen 8 Paare, dabei bilden sie einen Stern, jeder Stern dreht sich um die eigene Achse. Auf ein Zeichen drehen sich die Paare um und tanzen in die entgegengesetzte Richtung. Das passt zur Jahreszeit, die sich wendet. Die Reifen symbolisieren den Kosmos. Sie sind aus gebogenem Haselholz, mit frischen Tannengrün und künstlichen Blumen geziert, die bei einzelnen Figuren abgelegt, dann aber wieder aufgenommen werden. Das symbolisiert den Kreislauf vom Wachsen und Absterben in der Natur. ( You Tube „Lungauer Reiftanz“)

Josef Freinbichler berichtet vom Sonnwendbrauchtum im Lungau: „ Am Johannitag kommen die Burschen um die Sonnwendsteuer; sie besteht aus Krapfen, Schifferl und Pfeffernüssen. Ist genug Holz beisammen, geht es auf einen Berg, um es aufzuschlichten. Auf den Stoß wird noch ein altes Holzrad hinaufgegeben, in das Strohbündel wie Strahlen hinein geflochten werden („Sunnawendscheibn“).

 

Vor Mitternacht wird der Holzstoß angezündet, die brennenden Radscheiben abgetrieben. Ist der Holzstoß ziemlich niedergebrannt, springen Burschen und Mädel übers Feuer. Dabei werden Sprüche aufgesagt: „Spring ma hoach übers Feuer, aft heirat ma heuer, geahts kleim über d`Flamm, kemma nechts Jahr erscht z`samm“. Auch Sprüche mit der Bitte um Fruchtbarkeit und Segen für die Felder begleiteten die glühenden Holzscheiben: „Sunnawendradl, schlag nur grad scheane Gahn, aft kriag ma a recht guats Futter zum Mahn“.

Kornmutter - Kornvater

Die Kornmutter und der Kornvater begegnen sich beim Samson Umzug im Lungau, uraltes Brauchtum hat sich hier noch erhalten.

 

Europäische Urvölker trugen bei ihren Umzugsprozessionen Riesen um die Felder und Grenzen ihres Ortes, das zeigen auch schwedische Felsbilder. Der Riese Samson im Lungau, geht  möglicherweise auf diese Traditionen zurück. Richard Wolfram berichtet von einer Mitteilung Dechant Hatheyers aus Tamsweg, der selbst hörte, wie die Bauern aus der angrenzenden Steiermark, den Samson „Kornvater“ nannten. 

Sie sahen es als eine gute Vorbedeutung für das Gedeihen des Getreides, wenn er getragen und das Samson Fest gefeiert wurde. Deshalb hatte er ursprünglich auch eine Pflugschar umgehängt. Das Schwert und die Eselskinnbacke sind das Attribut späterer Zeiten, als friedliche, mutterzentrierte Ackerbaukulturen von kriegerischen, patriarchalen Eroberern vereinnahmt wurden. 

 

Kornmutter, Ährenkleidmadonna, Woazfrau, Roggenmoam,

sie trägt vielerlei Namen und ist doch immer die Eine,

die Große Göttin, als Spenderin der Fruchtbarkeit, des Wachstums

und der Nahrung.

  

Ährenkleidmadonna Museum Salzburg

Sonnengöttin und Kornmutter

Die Nachfolge der Göttin als Kornmutter hat die christliche „Ährenkleid-Madonna“ übernommen. Sie trägt eine reiche Symbolik, denn ihr Kleid ist mit goldenen Getreideähren verziert, die Sonne ihr strahlendes Halsband, ihre überlangen Haare wirken fast wie ein Fell, symbolisieren aber auch das reife Getreide, ihr leicht gewölbter Bauch birgt das neue Leben.

 

Wundertätige „Madonna Spicata“ Franziskanerkloster Salzburg

 Zur Sommer-Sonnenwende erreicht die Sonne ihren Höchststand,  Pflanzen und Heilkräuter, das Getreide und die ersten Früchte sind angereichert mit Wärme und Sonnenenergie.

 

Getreidefeld in Salzburg mit dem Untersberg im Hintergrund

Die Erdmutter verschenkt großzügig ihre Schätze, die nur in dieser Zeitphase, zu bestimmten Stunden „blühen“. Sie können von Sonntagskindern und ehrlichen, naturverbundenen Menschen gefunden, beziehungsweise geerntet werden. 

 

Die Wartenfelser Jungfrau 


Ein Bäuerlein von Hof wollte einst über Thalgauegg nach Mondsee wandern, um sich dort die feierliche Fronleichnamsprozession (Flurumgang zur Sonnwendzeit) anzuschauen. Der Weg dorthin ist vier Stunden lang, darum machte sich der Mann schon um Mitternacht auf die Beine. Als er beim Morgengrauen unter Wartenfels vorbeikam, da sah er Lichterglanz in der Schloßruine. Eine Jungfrau, zum Anbeten schön, stand auf dem morschen Gemäuer, in der Schürze trug sie leuchtendes Gold. Wunderhold lächelte sie den Wanderer an und winkte ihn dringend zu sich hinauf; sie bot ihm den herrlichen schimmernden Schatz. Das Bäuerlein aber, das ein guter Christenmensch war, ließ sich nicht narren durch solchen Teufelsspuk, es schlug ein mächtiges Kreuz, und verschwunden waren der Lichterglanz, die Jungfrau und ihr blinkend Gold; und das Bäuerlein eilte mit mächtigen Schritten den Berg hinab, zur gnadenreichen Mutter am Hilfberg in Mondsee. ( Josef Brettenthaler S 132)


Verehrung von Feuer und Wasser

Der Brauch, in der Sonnwendnacht Tau zu sammeln, oder den ganzen Körper darin zu wälzen, sollte nicht nur gut gegen Ausschläge und Geschwüre sein, sondern die Abwehrkraft des ganzen Körpers stärken und verjüngen. 

In Flüssen und Bergseen zu baden und aus heilkräftigen Quellen zu trinken, hatte zu dieser Zeit eine besonders heilsame und reinigende Wirkung.

 

Der Prebersee im Lungau

Die Laufener Schiffer ließen brennenden Feuer die Salzach hinab schwimmen: „Sie fertigten sich dazu eigene Kistchen an, deren Boden wurde mit Lehm ausgekittet. Darauf häuften sie mit Fett getränktes Reisig und mischten Pech, Baumharz und andere leicht brennbare Stoffe darunter.  Am Abend wurde das Ganze angezündet, dann schwammen viele Dutzend solch kleiner Schiffchen die Salzach hinab. 3 Karl Adrian S 155

Die Tage der Sonnenwende waren nach altem Glauben mit der Zauberkraft von „holden und unholden Geistern“ erfüllt, die den Höchststand der Sonne begleiten. Vor Mitternacht musste in manchen Gegenden das Sonnwendfeuer verlassen werden, weil dann dem Volksglauben nach die Teufel und Hexen darüber springen. Vermutlich waren damit auch die Menschen gemeint, die sich noch nicht zum christlichen Glauben bekehrt hatten

Pflanzenorakel

Sonnwenddisteln – Man gräbt so viel Sonnwenddisteln (Carlina acaulis) mit den Wurzeln aus, als Bewohner im Hause sind. Die Disteln werden dann mit Moos und etwas Erde zwischen die Stämme der Hauswand eingesetzt. Soviel nun von ihnen bis zur nächsten Sonnenwende absterben, ebensoviele Todesfälle oder andere Veränderungen ereignen sich in diesem Hause. (Karl Adrian S 153)

Die Margariten, im Lungau „Sunnawendla“ genannt, bilden die Verzierungsgrundlage der Lungauer Prangstangen. In einigen Salzburger Gemeinden werden diese „Mittsommerstangen“ noch zur Sommer-Sonnenwende bei den Flurprozessionen mitgetragen.

 

 

 

 

Walpurgis - Hexentanzplatz in Bundschuh - Schönfeld

Ein wunderschöner Frühlingstag machte unsere Wanderung nach Bundschuh  zu einem Genuss, ich liebe am Lungau vor allem seine „karge und einsame“ Schönheit. 

 

Wir fuhren  von Mauterndorf nach Moosham, dann in Richtung Thomatal und bogen am Bettlmandl Tauern, rechts nach Bundschuh ab. 

 

Bei einer der seltenen „ Kugellärchen“ ( Lusus globosa), von denen es hier mehrere gibt, stimmten wir uns auf das heutige Thema „Hexen und ihre Tanzplätze“ ein. Die Kronen dieser  außergewöhnlichen Baumart  wurden nämlich von einem botanischen Forscher (L. Klein),  als  kugelige Hexenbesen auf kurzem Stamm, bezeichnet. 

Das Frühlingsfest Walburgis naht, und wir waren  zur richtigen Zeit in einem der Täler vom Lungau unterwegs, das reich an Sagenüberlieferungen und gruseligen Geschichten über alte hässliche Weiber ist, die nicht nur den  Hexenflug kannten, sondern auch das „Anbannen und Wettermachen“ ausübten.    
 

Die Sage vom Bundschuhweibl erzählt von einer alten Frau, die als gefürchtete Hexe in der Mitte des Tales gewohnt haben soll:

 

Das Bundschuhweibl - Eines der südlichsten Seitentäler Lungaues ist das Bundschuhtal, das im Süden an Kärnten grenzt. In diesem Tal wurde in früheren Jahrhunderten viel Bergbau, besonders auf Eisen betrieben. Noch heute sind ganz hinten im Tale die Bergweksstollen (Knappenlöcher genannt) zu sehen. 

 

Weil dort viele Almen sind, treiben im Sommer die Bauern ihr Vieh dorthin auf die Weide. Ungefähr in der Mitte dieses Tales stand vor vielen Jahren eine alte baufällige Hütte, in der ein altes runzeliges Weiblein, das „Bundschuhweibl“ genannt, hauste, das als Hexe gefürchtet und verschrien war. Wenn die Bauern ihr Vieh auf die Alm trieben, mußten sie bei dieser Hütte vorbei. Dabei geschah es manchmal, daß der Bauer mit seinem Vieh vom Weiblein aufgehalten wurde, bis er ein kleines Lösegeld gezahlt hatte. Weil manche Bauern das nicht wollten, so kam es öfter zu einem Konflikt mit dem Weibl. Das Weibl verstand nämlich das Anbannen (festbannen), so daß Mensch und Vieh nicht mehr von der Stelle konnten. 

Einer dieser Bauern war schlauer und erkundigte sich bei einem alten Mann, der ein Hexenbeschwörungsbüchl hatte, was dagegen zu tun sei? Dieser riet ihm, er solle sich Weihwasser von den drei Wallfahrtskirchen Mariapfarr, St. Leonhard bei Tamsweg und Hollenstein holen und damit die Tiere besprengen, dann hätte die Hexe keinerlei Macht mehr. Das hatte, wie der Bauer nachher bestätigte, auch geholfen. 

Die Hexe konnte aber nicht mehr lange ihre Zauberkünste betreiben. Einer ihrer Feinde, und solche hatte die alte Hexe genug, zündete aus Rache die Hütte an, und mit ihr ging auch das alte Weibl, das sich in der Hütte befand, zugrunde. Heute weiß man nicht mehr, wo diese Hütte einst stand, denn ein grüner Rasen deckt alles zu. 

Lungauer Volkssagen, Michael Dengg, S 238

 

Karl Knortz (google books, Folklore, S57) erklärt den Begriff „Hexe“: Unter einer Hexe verstand man aber in alten Zeiten eine weise Frau, die beim heidnischen Gottesdienste im heiligen Hain oder Hag thätig war und die infolge ihres Wissens in hohem Ansehen stand; allein das unpoetische Christenthum hat sie und alle alten Götter zu einer wenig beneidenswerthen Existenz verurtheilt und aus der ehemals geachteten Hagbewohnerin (hagese) eine verabscheuungswürdige Hexe (englisch: hag) gemacht. Auch in England standen früher die Hexe und der Zauberer aufgrund ihrer besonderen Kentnisse in hohem Ansehen, wie denn auch die Wörter witch und wizard von dem Verbum to wit (wisssen) abgeleitet sind. 

 

Die Hexen und Zauberer waren unsere Vorfahren, deren Ahnen wiederum den Menschen der vorchristlichen, alteuropäischen Kulturtradition angehörten. Sie haben uns ein Erbe hinterlassen, das auf folgende Tatsachen hinweist:

 

-          Sie beobachteten über sehr lange Zeitperioden den Rhythmus des Mondes, der Sonne und den Verlauf der Gestirne, 

-          Sie verfügten über magisches Wissen und über schamanische Fähigkeiten. 

-          Sie kannten Segenssprüche und den richtigen Zeitpunkt der Ernte für Getreide, Wildgemüse, Früchte Wurzeln und Kräuter. 

-          Sie konnten die Fruchtbarkeit der Felder erhöhen und das Wetter beeinflussen, indem sie nach einer langen Trockenperiode Regenwetter herbei „zauberten“. 

-          In den überlieferten Sagen werden sie nur mehr als gefürchtete „Wetterhexen“ beschrieben, die sehr viel Schaden anrichteten, 

-          aus Segenssprüchen wurden  Zauberhandlungen und Aberglaube.   

 

Wir wanderten hinüber zum sogenannten Hexenring, der in der Mitte des Tales liegt. 

  

Wenn im Frühling der Schnee schmilzt, treten die Energie spendende Wachstumskräfte verstärkt aus dem Erdboden  und verbinden sich mit den einfließenden kosmischen Kräften. Zu dieser Zeit  tanzen die Hexen ihre ekstatischen Rundtänze, auch Kolos genannt. Ihre Tanzplätze hatten die Form einer Ellipse, sie waren nicht kreisrund, sondern eiförmig. Meist führten drei bis sieben Schutzringe um einen sogenannten „Hexenkreis“, vermutlich um dieses Kraftfeld abzugrenzen und zu schützen. Ein Thomataler erzählte uns, dass die Almleute früher dort auch wirklich getanzt haben. 

Durch genaue Beobachtung der Umgebung versuchten wir, in den Landschaftsformen  zu lesen, was unsere Vorfahren dazu veranlasste, genau hier zu tanzen. Da erkannten wir auf der gegenüberliegenden Talseite zwei „Gleichenberge“, die in der Landschaftsmythologie auch als Busenberge bekannt sind. Hier liegt sie also, die lokale Landschaftsgöttin des Tales und der Hexentanzplatz befindet sich genau in ihrem Schoß.   

 

Wir legten uns direkt in seine Mitte, genossen die Frühlingssonne und stimmten uns auf die Energien des  Platzes ein. Erstaunlicherweise erlebten wir beide ein unbeschreibliches Gefühl von Harmonie und Zeitlosigkeit. Ein inneres Bild der bekannten irischen Feen - Sage von den beiden buckligen Männern, zeigte sich Bruni:

Als Thomas einmal, nach einem Besuch bei Robert um Mitternacht an einem Elfenring vorbei kam, hörte er dort Musik und sah im Mondschein weibliche Wesen zu einem Lied tanzen. Die Melodie des Liedes und der Inhalt des Textes wiesen auf eine ganz bestimmte Ordnung, nach denen sich die Elfen / Naturwesen ausrichten. Jedem Tag wiesen sie eine bestimmte Tätigkeit und Zeitqualität zu, in der jedoch auch der Mensch seinen wichtigen Platz einnehmen sollte. Thomas erkannte dies und ergänzte die Strophe, die den Elfen nicht mehr einfiel: 

 

„Am Sonntag wird gespielt und gelacht“, sangen sie. „Am Montag wird die Wäsche gemacht, am Dienstag pflügen wir und jäten, am Donnerstag….“ Thomas horchte auf, denn er bemerkte, dass sie vergessen hatten, den Mittwoch zu erwähnen. Und ohne nachzudenken entfuhr es ihm: „Am Mittwoch müssen teig wir kneten!“ 

Die Elfen nahmen die Strophe auf, tanzten wie neu beseelt weiter und sangen:

„Am Sonntag wird gespielt und gelacht, 

am Montag wird die Wäsche gemacht, 

am Dienstag pflügen wir und jäten, 

am Mittwoch müssen Teig wir kneten, 

am Donnerstag wird die Brühe gekocht, 

am Freitag werden die Löcher gestopft, 

am Samstag tanzen und tanzen wir!“

(zum Nachlesen "Hinter den sieben Bergen, Das große Buch der Zwergengeschichten, Els Boekelaar und Ineke Verschuren, S97-101)

 

Thomas sang und tanzte mit ihnen die ganze Nacht und als die Zeit gekommen war, wieder in die „andere Welt“ zurück zu kehren, durfte sich Thomas etwas wünschen: „Befreit mich von meinem Buckel“, bat er und so geschah es. Sein Freund Robert war eifersüchtig, besuchte auch die Elfen bei ihrem Tanz, konnte sich jedoch nicht in die Ordnung der Andersweltwesen hinein fühlen und erhielt zur Strafe einen zweiten Buckel dazu. 

Wir erkannten, dass die Naturwesen den Austausch und die Kommunikation mit den Menschen brauchen und umgekehrt auch die Menschen ohne ihre Hilfe nicht auskommen. Jeder trägt seinen Teil bei, die verschiedenen Welten ergänzen einander. Je mehr wir Menschen uns in die Ordnung und in den Rhythmus der Natur hinein fühlen, desto eher verlieren wir unseren „Buckel, der ein Mangel, eine Krankheit, oder eine schwierige Lebenssituation sein kann.  

 

Am Rande des Hexentanzplatzes wuchsen schon unzählige Pflanzen und Moose, obwohl rund herum noch viele Schneeflecken lagen:

 

Wir machten uns auf den Heimweg und bemerkten einige Schritte vom Hexenring entfernt ein Höckermoos mit sehr zahlreichen Engelwurz Pflanzen, von denen wir behutsam einige Wurzeln ausgruben.

 

Wir sammelten noch ein wenig Zirbenharz, Wacholder, Goaßstraubn (Irisch Moos) Lärchenäste, Baumbart, Almrosenblätter und Zirbennadeln. Aus diesen Schätzen mischte uns Bruni eine frühlingshafte Räuchermischung, passend zu Walburgis.

  

Unser nächster Stopp war St.Margarethen, ich war begeistert wie sich das kleine Dorf herausgeputzt hat. Die Pfarrkirche, die uralten Linden bei dem Kirchlein St.Augustin sollte man sich unbedingt anschauen, wenn man in der Gegend weilt. 

 

Altar Kirchlein St.Augustin

Unser letztes Ziel war wie immer Mauterndorf bei Mutti, die uns in gewohnter Manier verwöhnte  J

 

Ostern - Palmbuschen und Palmkatzla

 

 

 

Ostern war so schlechtes Wetter sodaß wir unseren Ausflug unmöglich starten konnten und so feierte jede im Kreis ihrer Familie das Osterfest. Natürlich werden wir den Ausflug nachholen, das Ziel verrate ich euch heute noch nicht ;-)

... aber was Bruni zu dem Thema geschrieben hat, möchte ich euch nicht vorenthalten!

 

 

 

 

Mit seinem Schmuck ist der Palmbusch oder Palmbesen nichts anderes als der in mannigfacher Form und zu verschiedenen Zeiten auftretende Lebensbaum, von dem die geheimnisvollen Kräfte des Frühlings auf alle Lebewesen ausstrahlen. 

Georg Graber

 

Zu den wichtigsten Osterbräuchen in Österreich gehört die Weihe der Palmbuschen, am Palmsonntag. Ein Bericht von Michael Dengg, aus dem Lungau lässt uns erahnen, wie vielseitig diese Palmbuschen und auch die einzelnen Palmkätzchen im praktischen Alltagsleben das ganze Jahr über verwendet wurden:

„Am Palmsonntag ziehen die jungen Burschen zur Palmweihe in die Kirche; sie tragen dabei auf möglichst lange Stangen aufgesteckte Palmbesen, die reichlich mit Buschen und Bändern geschmückt sind. Nach der Palmweihe eilen sie mit den Palmbesen sofort nach Hause und machen mit demselben den gleichen Rundgang, den sie bei der Palmprozession um die Kirche gemacht, auch um das Haus. Dieser dreimalige Rundgang um Haus und Hof geschieht auf Anweisung der Bäuerin, weil nach ihrer Meinung dann das Geflügel von Fuchs und Geier verschont bleibt. Dafür erhält der Palmbesenträger einen frischgekochten Eierschmarrn als Belohnung. Von dem geweihten Palmbesen werden Zweige in den meisten Räumlichkeiten des Hauses, sowie in Stall und Scheune angebracht. In der Wohnstube ist es besonders das im Herrgottswinkel aufgestellte Kruzifix, das mit solchen Palmzweigen geschmückt wird. Auch soll von den Hausleuten jedes drei Stück von den geweihten Palmkatzeln verschlucken. Solche Palmkatzeln werden auch den Haustieren und dem Geflügel eingegeben. Ist im Sommer ein Gewitter im Anzug, so nimmt die Bäuerin einige Palmzweige und andere geweihte Kräuter und entzündet damit am Hausherd das geweihte Feuer zum Schutze gegen böse Wetter, besonders gegen Blitzschlag, und sie unterhält es solange, bis das Unwetter wieder abgezogen ist.“ 

Die Palmbuschen wurden mit Weidenästen, kleinen Zweigen von Stechpalme, Buchs und Wacholder gebunden und in manchen Orten auf lange Stangen gesteckt. Das höchste Ansehen des Tages genoss der Träger des Höchsten Palmbuschens. Je nach lokalem Brauchtum der einzelnen Landschaftsgebiete, wurden auch kleine Bäumchen gebunden und mit Streifen aus gefärbten Hobelspänen, Eier, Äpfel und sogar Nüssen oder Bretzeln behängt. Karl Adrian berichtet 1924 von einer Palmprozession in Puch bei Hallein: „Die Leute tragen hier ganz besondere Palmbäume, nämlich große Äste der Weiden, die mit geringelten, blau, gelb rot und grün gefärbten Hobelscheiten, Äpfeln und Brezen geziert sind“. 

 

Palmbäume mit Äpfeln Aspach / OÖ

In Eugendorf wurden die Palmbuschen noch vor Sonnenaufgang auf die Getreidefelder gesteckt und bis zur Ernte stehen gelassen. In Koppl sollte ein Palmbuschen aus „sieben Kräutern“ bestehen: Palm, Stechpalme, Buchs, Kranawett, Eiblgras, „Sagen“ und Zeder. 

Die Strobler fertigten sogar „Extrasackerl“ mit „sieben Kräutern“ an, die bei Unwetter zur Abwehr des Unheiles verbrannt wurden. In St. Koloman achtete man darauf, dass nur Buben und Männer die Palmbuschen trugen, während in Zell am See nur Dirndln die Palmbuschen und die Buben nur Palmbäume in die Kirche trugen. In Thumersbach wurden mächtige Palmbäume ungeschmückt in der Prozession mitgetragen, es galt die Rede: „Je größer, desto mehr Segenswirkung“. 

In der Umgebung der Villacher Alpe in Kärnten verbarg der Palmbusch ein Säckchen Salz und ein schwarzes Samtband. Das Salz erhielten Tiere bei Krankheit, das schwarze Band wurde bei Kopfweh um die Stirn gebunden.

 

In Kärnten wurde der Palmbuschen auch Braitl, die Braut, das Bräutl genannt. Das klingt wie Braid, Bride, Brigit, die weiße Göttin, auch das passt sehr gut zu den Palmkätzchen.

In Großarl wurden Palmkätzchen mit geweihtem Holz fürs „Galtfeuer“ verwendet, das ist das erste Feuer, das beim Beziehen der Almhütte, zu Beginn des Almsommers, angezündet wurde.

Die Tiere bekamen in den drei Rauchnächten zu Weihnachten Palmkätzchen, Brot, Weihrauch und Salz als Maulgabe.

Eine Bäuerin aus Lasa bei Tamsweg erzählte mir, dass sie Kräuter, Weihrauch und die Palmkätzchen vom Palmbusch´n, zum Räuchern in den Heiligen Nächten verwendet.

Richard Wolfram berichtet in seinen Aufzeichnungen „Segenszeichen beim Ackerbestellen“ von den Ritualen und Handlungen unserer Ahnen, die vor dem Ackern geweihte Sachen wie Brot, Palmkätzchen und Eier in den Furchen der Felder  vergruben: „In Mariapfarr nimmt der Bauer den geweihten Palmbesen vom Vorjahr, ein Stück von der geweihten Fackel von der „Prügelweihe“, eine Flasche „Eataf“ (Weihwasser vom Karsamstag) und ein Bündel Stroh. Er geht zu den Wintersaaten und steckt mitten im Feld den Palmbesen ein, zündet dann die geweihte Fackel an und das Stroh. Mit dem geweihten Wasser besprengt er dann rundum das Feld“. (1946)

Ich habe mir oft überlegt, warum es von der Weide soviele Bräuche und volkstümliche Überlieferungen gibt, wo dieser Baum doch vor allem im Sommer, eher unauffällig wirkt. Weshalb sollte eine Braut vor der Hochzeit Palmkätzchen in ihre Schuhe, die Brautmutter ihrem Sohn am Hochzeitstag heimlich ein paar in die Rocktasche stecken? Warum wurden sie in die Wiege eines Kindes gelegt und sogar den Toten im Sarg mitgegeben? 

Erst nach vielen Jahren habe ich durch genauere Beobachtung entdeckt, welche Wachstumskraft in den Weiden steckt, die wir selbst in unserem Garten gepflanzt haben. Schon im Jänner, noch mitten im frostigen Winter, beginnen sich die weißen Kätzchen aus ihrer braunen Hülle zu lösen und vielleicht ist es auch genau das, was unsere Vorfahren an der Weide so schätzten. Sie zeigt als erste den nahenden Frühling an und das garantiert Wachstum, Erneuerung, Lebenskraft und Fruchtbarkeit.  

 

Den winzigsten „Weidenbaum“ entdeckte  ich auf einer Bergwanderung zur Sichlwand bei Obertauern, klein im Wachstum, aber trotzdem vollkommen. 

 

Es gibt ein Lied, dass die Buben im Frühling sangen, wenn sie sich aus der Rinde junger Weiden eine Flöte, oder ein Pfeiferl schnitzten: „Saft, Saft, Seide, hinter unsrer Heide, hinter unserm Glockenhaus, gucken drei Marien heraus. Die eine spinnt Seide, die andre wickelt Weide, die dritte macht ein Türchen auf, läßt die liebe Sonne heraus.“ 

Die drei Marien sind die ehemaligen drei Nornen, drei Bethen, drei Madeln, als Schicksalsfrauen, die den Schicksalsfaden der Menschen spinnen. „Mit der Weide richten“, oder „Die Weide drehen“ hieß früher so viel wie jemand töten.

 

Die  abschließende Sage aus Kärnten erzählt von einem ganz besonderen Weidenbaum, in dem ein graues Männlein, als Schutzgeist einer Familie wohnte. 

 

Der krumpe Felfer

 

Auf der Ostseite des Schlosses Krumpendorf breitet sich eine grüne Wiese aus. Sie ist der Platz, auf dem einst der Herr des Burgfrieds Krumpendorf Gericht über Tod und Leben gehalten haben soll. Vor vielen Jahren stand mitten auf dieser Wiese ein uralter Weidenbaum. Im Volksmunde der „krumpe Felfer“ geheißen. Sein Stamm war schon ganz geborsten. Die zwei letzten Äste streckte er wie Arme aus und die vom Stammesende in die Höhe strebenden Zweige glichen wirr durcheinander gewehtem Haar. Der gute, alte, krumpe Felfer war der liebste Spielplatz der Schlosskinder und gar oft hat die Erzählerin dieser Geschichte sich als Kind in den geborstenen Stamm gesetzt und sich in seinem Schutze wohlgefühlt. Die Leute sahen mit furchtsamer Scheu nach dieser Weide und warnten die Kinder, über das Abendläuten dort zu verweilen, weil es nicht ganz geheuer war. In dem alten hohlen Baume hauste nämlich ein graues Männlein, das seit Menschengedenken als Schutzgeist des Baumes galt. Solange der krumpe Felfer seine Arme schützend gegen das Schloss breitete, sollten die Schlossherrn in Sorge, Not und Lebensgefahr wohl behütet sein.

In Kriegszeiten sollte der Junge Schlossherr von französischen Soldaten erschossen werden. Da kam plötzlich das graue Männlein mit einem gesattelten Pferd aus dem Stall und verursachte eine solche Verwirrung unter den Soldaten, dass es ungehindert mit dem Schlossherrn davon reiten konnte und ihm so das Leben rettete.

Leider wechselten später die Besitzer des Schlosses, die den alten Baum für wertlos hielten und umsägen ließen. Damit zogen aber auch Wohlstand und Glück vom Hause fort und das graue Männlein hat seit dieser Zeit niemand mehr gesehen.  Georg Graber, Sagen und Märchen aus Kärnten.

 

Maria Lichtmess

Die Tage um Maria Lichtmess sind wirklich besondere Tage und wir suchten uns Mittwoch - Vollmond - aus um die Kirche St. Brigitha in Henndorf zu besuchen. Herr Pfarrer Zach verwies mich an die Mesnerin Fr. Bacher, die uns in wirklich herzlicher Art die Kirche öffnete, denn normalerweise ist die Kirche im Winter geschlossen, doch wer bittet dem wird geöffnet :-))

Die Kirche, die auf einer kleinen Anhöhe steht, war einst eine vielbesuchte Wallfahrtskirche. Sie ist die einzige in Österreich die der Heiligen Brigida, der Schutzheiligen Irlands, geweiht ist. Die Quelle, die unterhalb der Kirche neu gefaßt wurde, hat leider noch keinen Brunnen bekommen und so mußten wir auf das begehrte "Brigid-Wasser" verzichten. Fini, die Mesnerin, erkärte uns, daß der Brunnen nur mehr aufgestellt werden müßte und wir hoffen doch, daß sich die Gemeinde Henndorf dieses Jahr noch dazu entschließen kann ;-)

 

Kirche Hl.Brigitha mit der Landschaft in ihrem weißen Kleid

Brigid, the Bright (Text von Bruni)

Es gibt eine Schnittstelle in der Geschichte, die von dem Übergang vom Glauben an eine weibliche Müttergöttin zum allein herrschenden Vatergott berichtet, ich hab sie gefunden, als ich mich intensiver mit der Göttin Brigid beschäftigte. „Brigid, the Bright“ heißt „die Helle, Glänzende, Strahlende“, sie ist eine Himmelsgöttin und die Lichtbringerin während der dunklen Jahreszeit. Sie erscheint im Jahreskreis der Feste zuerst in der Gestalt der Lucia (13. Dezember), und ihr großes Fest ist „Imbolc“, das Lichtfest am 2. Februar, das später zu „Mariä Lichtmess“ verchristlicht wurde. Brigid war bereits eine vorkeltische Große Göttin, doch sie wurde später von den Kelten als eine ihrer Hauptgottheiten übernommen. Daher war ihr Kult im gesamten keltischen Raum verbreitet, das heißt, in ganz Europa, das damals keltisch war. (Heide Göttner-Abendroth, Matriachale Landschaftsmythologie, Kohlhammer Stuttgart 2014, S 156)

Eine Legende von der Heiligen Brigida aus Irland erzählt, dass Brid, so wurde sie genannt, in ihrer ganz frühen Kindheit in einem Boot auf das Meer hinausgetrieben wurde und bei Iona an Land kam, wo sie plötzlich Laufen konnte und zu Singen begann: „ Ich bin nur ein kleines Kind, doch soll mein Umhang dem Herrn der Welt um die Schultern gelegt werden, der König der Elemente persönlich soll an meinem Herzen ruhen, und ich werde ihm Frieden geben.“ Die Legende erzählt weiter, dass Brid von Druiden aufgezogen wurde und eines Tages in einem Stall als Hebamme bei der Geburt eines Heiligen Kindes half, auf dessen Stirn sie drei Tropfen Weihwasser sprengte, um es mit der Erde zu vereinen. Sie hüllte es in ihren blauen Umhang, nahm es ganz nah zu ihrem Herzen und sang ein Lied, damit die Kühe reichlich Milch gaben. Und so wurde Brid, die Gehilfin Marias, Amme Christi und Patin von Gottes Sohn genannt. 

Ist das nicht eine sehr berührende Erzählung von der allumfassenden Muttergöttin, die liebevoll, helfend und wissend die Anfänge des Christentums begleitete. Sie wandelte sich zur heiligen Brigid, die auch noch zwei Schwestern hatte. Bei uns hieß sie noch lange Frau Berchta, später Mutter Anna, Gottesmutter Maria, heilige Lucia, oder heilige Agatha. 

 

Nach herzlichem Abschied von der Mesnerin Fini und dem Versprechen bald wiederzukommen führte uns unser Weg weiter nach Köstendorf, wo wir im Pfarrhof beim gerade stattfindenen Frauentreff zu wertvollen Informationen und netten Kontakten kamen.

 

 

Seitenaltar Seekirchen Vermählung von Maria und Josef

Weiter führte uns unsere Reise nach Seekirchen am Wallersee, auch hier weiß Bruni einiges:

 Eine Sage erzählt, dass in den Tiefen des Wallersees ein mächtiger Waller haust, der alljährlich nach einem goldenen Ring verlangt. Erhält er diese Opfergabe nicht, peitscht er in seinem Zorn die Wassermassen über die Ufer und überschwemmt das umliegende Land.

Der Waller, der einen goldenen Ring verlangt, ist ein Symbol für die Göttin des Sees. Sie verkörpert den See selbst, mit der sich die Menschen verbanden, um sich immer wieder ihr Wohlwollen und ihren Segen zu sichern. Marco Pogacnik berichtet ein Beispiel aus Venedig, wo sich der Doge von Venedig, als Vertreter der ganzen Stadt, jedes Jahr mit dem Meer verband, indem er einen Ring hineinwarf: „ Sich alljährlich mit dem Meer zu vermählen, bedeutet, sich zyklisch mit der Göttin als der Urquelle des Lebens wieder zu verbinden. Das Ritual der zyklischen Wiederverbindung mit der Göttin wurde in den alten Kulturen in Form der heiligen Hochzeit alljährlich als eines der wichtigsten Feste gefeiert“. (Marco Pogacnik, Die Landschaft der Göttin, S 59) 

Das Thema Hochzeit ist in Seekirchen sehr präsent, die dortige Pfarrkirche wird auch als „Heiratskirche“ bezeichnet. Der heilige Rupert soll hier das erste Menschenpaar nach christlichem Ritus getraut haben. Eine ältere Zeitschicht weist jedoch auf die heilige Hochzeit der Göttin mit ihrem Partner, an diesem Platz in der Landschaft. Sie ist die Wasserfrau, die Nixe des Sees von der die folgende Sage berichtet:

 

 

Die Nixe von Seekirchen

Am grünen Ufer des Seekirchner Sees stand einst auf moosigem Gestein ein Jüngling und beobachtete, in tiefe Träumerei versunken, das Spiel der Wellen. . Der Wind kräuselte seine Locken und leise bespülte die grüne Flut seinen Fuß. Sein Gesicht bekundete tiefe Trauer, die auch in einem Liede Ausdruck fand, das jetzt seiner gequälten Brust entstieg; er sang von Liebe und Sehnsuchtsweh so ergreifend und wonnesam, daß selbst die Blumen seinem Sange zu lauschen schienen und die Wellen ruhten, als wollten sie ihn durch ihr Gemurmel nicht stören und die Vögelein setzten sich ihm zu Füßen.  

Da plötzlich teilte sich die Flut und ihr entstieg in wunderbarer Schönheit ein Frauenbild, wie herrlicher noch keines Menschen Auges es erblickt. Auf dem schneeigen Nacken ruhte ein Haupt, lockenbekränzt, mit Perlen geschmückt, von bestrickendem Zauber umwoben. Zwei Augensterne leuchteten dem Jüngling entgegen in magischen Feuer und von Korallenlippen tönte es an sein Ohr: "Du holder Knabe von Jugendlust und Liebe, o komm und ruhe an meiner hochklopfenden Brust! Im See ist mein Reich, mein kristallenes Schloß, dahin will ich dich geleiten, o folge mir! An meinem Busen sollst du ruhen und süße Wonnen Fühlen, wie sie noch keinem Sterblichen zuteil wurden. Laß uns vereint ein Glück genießen, das dir die Erde nimmer zu bieten vermag." Da erfaßte den Jüngling ein heißes Verlangen; seine Augen erglänzten in verzehrendem Feuer; seine Pulse schlugen höher und wie mit Zaubermacht zog' s ihn zur Nixe hin. Er sank mit ihr hinab in die grünen Tiefen des Sees und ward nicht mehr gesehen. Klagend verhallte des Jünglings Gesang, mit dem er von den Lebenden schied. Und traurig neigten die Blümlein ihr Haupt. Die Wellen aber flüsterten sich geheimnisvoll zu, was sie in ihrem Schoße verbargen. Von Zeit zu Zeit aber ertönen heiße Liebeslieder aus dem See und geben Zeugnis von den Wonnen, welche der Jüngling in den Armen der Nixe gefunden. 1

1 - Karl Adrian, Alte Sagen aus dem Salzburger Land, Wien, Mirabell Verlag, Zell am See, St. Gallen, 1948, S. 141/ 142

 

Traumhaft die Stimmung dann am Wallersee, kaum in Worte zu fassen, wie wunderschön sich See und Landschaft präsentierten.

Nette Begegnungen und neue Erkenntnisse machten diesen Tag zu einem besonderen Erlebnis und wir kehrten erfüllt wieder nach Hause.

 

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Frau Vera hilft weiter!


Liebe Frau Vera    Ihr Artikel über Frau Mizi Humtidumm hat mir Mut gemacht Ihnen zu schreiben. Ich lese Woche für Woche Ihre Zeitschrift "Miesmutz" und staune  über die Mö