Frankreichreise - Mai 2015 - Provence

1. Tag - Anreise / Grasse

Frühmorgens um 3.00 starteten wir unsere Reise in die Provence. Lungau, Kärnten, Italien … die schönen, frühlingshaften Landschaften glitten nur so an uns vorbei, auch Genua (die Verkehrshölle) schafften wir super und kamen am Nachmittag in Grasse an.

 

Der Glanz der Stadt, die seinerzeit halb Europa mit Essenzen und Blütenwässern beliefert hat ist verblichen, viele Menschen sitzen mit leeren Blicken vor den Häusern, die schon dringend auf ihre Renovierung warten. Auf den umliegenden Hängen wachsen schon lange keine Kräuter und Blumen mehr und auch uns hielt nichts zurück, zumal auch kein Zimmer zu bekommen war. 

 

2.Tag - St.Maximin de la Baume

war unsere nächste Station, dort verbrachten wir die Nacht (gezwungenermaßen) im Auto. Eine neue Erfahrung, wir mußten unsere „Komfortzone“ verlassen, umso besser schmeckte Kaffee und Croissant am Morgen. Ein riesiger Markt, der alles Gute aus der Region aufbot, das hob unsere Laune gewaltig.

 

 

Doch unser Interesse galt der Grotte der heiligen Magdalena am Berg St. Baume. 

 

St. Baume „Grotte  pleureuse“

Maria Magdalena, die Schutzpatronin der Provence,  soll sich die letzten 30 Jahre ihres Lebens als „Büßerin“ in diese Felsenhöhle zurückgezogen haben und in St. Maximin begraben worden sein.

 

Legenden berichten, dass nach der Kreuzigung Jesu, eine große Christenverfolgung in Palästina einsetzte. Deshalb flohen um das Jahr 43 n. Chr. die drei Geschwister Lazarus, Martha und Maria Magdalena aus Bethanien, deren Diener Maximinus, ihre Dienerin Sara, sowie Maria Salome (die Mutter der Apostel Jakobus und Johannes), Maria Jakobäa (die Mutter der Apostel Jakobus und Judas) über das Meer nach Südfrankreich. Von Saintes-Maries-de-la-Mer aus durchwanderten sie die Provence und hinterließen überall die Spuren der Christianisierung. Für uns war es nun natürlich spannend, am Lack zu kratzen, der all diese Legenden (dickstens) überzieht.  

Die schlechte Beschilderung zwang uns dazu, mit den Einheimischen in Kontakt zu treten. Dies gestaltete sich oft recht lustig, sogar mit dem Auto fuhren sie uns voran und lotsten uns so auf den Berg „Saint Baume“, dessen Gipfel „Saint Pilon“ genannt wird. 

 

 

Der Aufstieg zur Höhle führt durch den wunderschönen Mischwald mit prächtigen, alten Eichen die selbst Cäsar nicht fällen ließ und respektierte.

 

 

Belohnt wird man mit der Aussicht auf die wunderschöne Landschaft der Provence. Wir erlebten, wie ernsthaft und tiefgläubig, Mönche hier die hl. Messe feiern. Die riesige Eiche mit großen Mistelbüschen vor dem Höhleneingang rauschte theatralisch, als wollten die Naturwesen auf ihre Art mitsingen.

 

 

Friedrich von Hellwald (google books S 598) schreibt über die Höhle: 

 

La Sainte Beaume und auf einer Seite desselben ist eine geräumige und tiefe Höhle, in welche nur selten und höchst spärlich ein Sonnenstrahl dringt und die in ihrem unteren Theile eine Nachbildung des heiligen Grabes enthält, ein schauerlicher Ort mit einem kleinen Wasserbecken, dessen immer frisches und helles Naß als ungemein heilsam von den Landleuten nahe und ferne verehrt wird. Nicht sehr weit davon öffnet sich die sogenannte Eiergrotte, in die man durch drei Felsspalten mittelst einer Leiter und eines Seiles zum Schutz vor dem auf beiden Seiten gähnenden Abgrunde hinabsteigen kann. Sie hat ihren Namen von der eirunden Gestalt der sie bildenden Felsen erhalten. Die Gläubigen verehren in Sainte Beaume die heilige Magdalena, und die nahe und ferne Umgebung feiert hier viele Feste, und eine große Anzahl von Weihegeschenke schmückt die Wände der Höhlen.

 

 

Ein französicher Abt hat nachgewiesen, dass Maria Magdalena nie in dieser Höhle lebte, vom einstigen Naturheiligtum ist nur mehr wenig vorhanden. Das tropfende heilige Wasser der „Grotte pleureuse“ - der weinenden Grotte, ist in hässliche Betonbecken gefasst und hinter Gittern den Menschen nicht mehr verfügbar. 

Wir stellten uns vor, wie es wohl ursprünglich überall von der Höhlendecke herab tropfte und die Menschen dazu veranlasste, hier im dunklen Höhlenkörper der Berggöttin für das kostbare Wasser zu danken, das durch die Berührung mit dem sogenannten „Eierstein“ den Frauen vielleicht auch zu Fruchtbarkeit verhalf.

 

 

Vermutlich dienten die drei,  von Friedrich von Hellwald erwähnten Felsspalten als Durchschlüpf -Steine. Die Segen spendende Muttergöttin ist zur dienenden Magd Magdalena, in Form einer Alabasterstatue geworden.

 

 

Für Bruni war der Gipfel der Geschmacklosigkeit erreicht, als bei dem eiförmigen Mutterstein das Licht aufging und ein riesiges Kreuz beleuchtete. Schweigend verließen wir den Ort und rasteten uns unten im Eichenhain aus, bevor unsere Reise nach Arles weiterging. In einem kleinen Hotel bei Arles bezogen wir Quartier und starteten von hier aus in die Umgebung.

 

3.Tag - St.Maries de la Mer / Aigues Mortes / St.Gilles

St. Maries de la Mer 

St. Maries de la Mer ist der Hauptwallfahrtsort der Zigeuner aus ganz Europa. Jedes Jahr am 24./25.Mai Mai strömen nicht nur die Familien der Roma, Sinti, der Jenischen und Cale` in das kleine Fischerdorf am Meer, um ihre Patronin Sara la Kali zu verehren, auch unzählige Touristen nehmen an dieser beliebten Wallfahrt teil.

 

Sara la Kali, die Heilige Patronin der Zigeuner

 

Eine Legende burgenländischer Roma berichtet: 

 

"Eine der Unseren, der als erste die Offenbarung zu Teil wurde, ist Sarah-Kâli gewesen. Sie stammte aus edler Familie und stand an der Spitze ihres Stammes am Ufer der Rhône. Sie kannte alle Geheimnisse, die ihr übermittelt worden waren. In der Nähe der Rhône bearbeiteten die Stämme die Metalle und handelten mit diesen."

  

Zigeunerfrauen einst und
heute mit ihren Waren am Markt

 

Die Rôm besaßen zu dieser Zeit eine polytheistische Religion, und einmal im Jahr nahmen sie die Statue der Ishtari (Astarte) auf die Schultern und wateten mit ihr durch das Meer, damit sie es segne. Eines Tages hatte Sarah Visionen, die sie davon in Kenntnis setzten, dass die heiligen Frauen, die bei Christi Tod anwesend gewesen waren, eintreffen würden und sie ihnen behilflich sein müsse.

 

 

Sarah sah sie in einer Barke kommen. Das Meer ging hoch, und die Barke drohte zu kentern. Sarah warf ihr Gewand über die Wogen, bestieg es wie ein Floß, trieb so bis zu den Heiligen und half ihnen das Land zu erreichen. Die Heiligen tauften Sarah und predigten unter den Gadsche und unter den Rôm das Evangelium." (Quelle: Clébert, 1967, 157)

 

 

Als christliche Missionare in Südfrankreich ankamen, war das fruchtbare Gebiet der Provence bereits von Prä- Indoeuropäischen Völkern besiedelt, die hier einst selbst als Einwanderer aus dem Mittelmeergebiet ankamen. 

Auf der Suche nach neuen Siedlungsgebieten, befuhren diese seekundigen Menschen mit ihren Schiffen die Meere und  die großen Flüsse. In Südfrankreich folgten sie der Rhone, die in Tarascon ein Delta bildet, durch die Camargue fließt und bei St. Marie de la Mer ins Meer mündet.

 

 

Begleitet von ihrer indischen Muttergöttin Sarasvati, die eine Göttin des Meeres, der großen Ströme und fruchtbaren Wasser ist, brachten sie matriarchale Traditionen mit, die vom Ursprungsland Indien ausgingen und sich von da aus weltweit verbreiteten.

An der Küste der Camargue fanden sie in einen landschaftlich ganz besonderen Ort mit der Meeresbucht, der Einmündung des Flusses Rhone, sowie der Süßwasserquelle von St. Marie de la Mer und erkannten sie als drei heilige Gewässer.

 

 

Der durch einen Bischofsstab aus Stahl gekennzeichnete Brunnen steht im Zentrum des Heiligtums. Er wird von einer unterirdischen Wasserader aus der Rhone versorgt. Die Quelle war schon im Altertum bekannt und symbolisiert weiterhin das Leben, indem dessen Wasser während der Ostermesse geschöpft und dann geweiht wird, um das ganze Jahr über für die Taufen benutzt zu werden. (Information aus dem Kirchenführer von St. Marie de la Mer)

 

Diese heilige Dreiheit weist auf eine universale Göttin des Himmels, der Erde und des Wassers. Ihre christlichen Nachfolgerinnen Maria Salomä, Maria Jakobä und die heilige Sara, führten hier eine uralte Tradition weiter, die zur Zeit der Römer als drei Junones, von den Kelten als drei Matronae verehrt wurden. 

 

 

Drei Heilige Frauen mit Christus Kalvarienberg von Basparts / Bretagne

 

Sie werden von den Fischern der Bretagne als „les bonnes dames“, oder „les bonnes meres“ genannt, weil sie sehr hilfsbereit, liebenswürdig und dienstfertig sind. Den Kranken gewähren sie Heilmittel, den armen, aber höflichen Arbeitern geben sie Kuchen und Brod von außerordentlich feiner Güte. Das gewöhnliche Feengeschenk ist eine Brodschnitte, die stets frische und schmackhaft bleibt und nicht abnimmt, so man Sorge hat, sie still für sich zu behalten und an Dritte nichts davon abzugeben.

Oft führen sich die Feen bei den Menschen mit der Bitte ein, man möge sie bei Neugebornen Pathenstelle vertreten lassen. (F. von Hellwald)

 

Als Dorfgöttin wurde sie in einem heiligen Stein verehrt, der sich früher in der Krypta befand und heute L`Oreiller des Saintes, das Kopfkissen der drei Marien, genannt wird.  Steinpulver wurde hier abgeschabt und mit Wasser vermischt, zur Förderung der Fruchtbarkeit und für Heilzwecke verwendet. Es könnte auch sein, dass dieser so glatt abgewetzte Stein mit seiner Steinrille, den Frauen  als Rutschstein diente, um hier von der Stein-Mutter, ein Kind zu empfangen.

 

Noch heute werden in vielen Bäckereien der Provence die Navettes, ein schiffchenartiges Gebäck verkauft, das einst von den Frauen an Festtagen gebacken und der Göttin dargebracht wurde.

 

 

Diesen ersten Eindruck von St. Maries de la Mer nahmen wir mit nach Aigues Mortes, „Totes Wasser“, so wurde das Sumpfland einst genannt. Die sehr gut erhaltene mittelalterliche Stadt, ist von Mächtigen, mit Zinnen und Türmen bewehrten Mauern umgeben, auf denen man bei einem Rundgang die weiten Weinfelder und Salzgärten sehen kann. Entzückende Geschäfte, kleine Café-Häuser und Restaurants laden zum verweilen ein, wir aber reisten weiter nach St.Gilles, eine wichtige Station der Jakobspilger.

 

 

St. Gilles 

Die Ursprünge des Klosters gehen auf eine Legende zurück, nach der sich der um 640 geborene heilige Ägidius (frz. Saint-Gilles), ein reicher Kaufmann aus Athen, an dieser Stelle in die Einsamkeit zurückgezogen haben soll, um fern dem Weltgetriebe ein Leben in Armut und Entsagung zu führen. Er soll sich von der Milch einer Hirschkuh ernährt haben und jahrelang in der Diözese von Nîmes als Einsiedler in einer Höhle an der Mündung der Rhone in das Mittelmeer gelebt haben.

Die Krypta gehört zu den erhaltenen Überresten der romanischen Kirche. Sie enthält das Grab ihres Patrons des heiligen Ägidius und gehörte einst neben Jerusalem, Rom und Santiago de Compostela zu den vier großen Wallfahrtszielen der Christenheit. (Information aus dem Internet, Wikipedia)

Der heilige Ägidius, der von einer Hirschkuh genährt wurde, ist meist  an Mutterheiligtümern zu finden ist, in deren Nähe sich eine Höhle befindet, so auch in Nimes, an der Mündung der Rhone.

 

4. Tag - Tarascon / St.Michel de Frigolet

 

Die Drachenmutter ist die uralte Kosmische Mutter, die vom Patriarchat wahlweise dämonisiert, getötet und bis heute unterschlagen wird.

Kirsten Armbruster

 

 

Die Sage von der Tarasque: 

Die hl. Martha fand bei ihrer Ankunft in Tarascon, das damals Nerluc hieß, daß die kleine Stadt von der Tarasque, einem amphibischen Drachen, in Schrecken gehalten wurde. Das Ungeheuer pflegte die Rhone heraufzukommen und die Wäscherinnen vom Flußufer wegzuschleppen. Eine von ihnen hielt er sieben Jahre in seiner Höhle gefangen, wo sie ihm als Amme für sein Kind (Drachenmutter!), den kleinen Drac, dienen mußte. Von sechzehn Männern, die versucht hatten, ihn zu töten, hatte er acht verschlungen. Die tapfersten Ritter der Gegend waren von der Tarasque zerfleischt worden. Der hl. Martha gelang es jedoch, das Ungeheur mit Hilfe von Weihwasser und eines Kreuzes zu besänftigen. Sie fertigte aus ihrem Gürtel ein Halfter und führte den Drachen dreimal um die Stadtwälle und wieder zurück zur Rhone (vielleicht früher eine heilige Umwandlungsprozession zu Ehren der Drachenkraft)und gab ihm die strenge Weisung bis zum Ende aller Zeiten dort zu verbleiben. Die Tarasque sprang gehorsam in den Fluß und wurde nie wieder gesehen. Die hl. Martha lebte weiter in Tarascon und wurde in der Krypta Saint Marthe beigesetzt.

  

 

 Am Marientage führt ein junges Mädchen das gefesselte Unthier nach der Kirche, damit es dort unter dem Weihwasser umkomme, mit dem man es begießt. Auf dem Weg zur Kirche wirft es alles nieder auf seinem Zuge. Das Fest ist nicht schön, wenn es dabei nicht einen Arm- oder Beinbruch gibt.

  

 

 

 Das Volk will nicht glauben, dass die Rhone ein bloßer Strom sei; es meint daß die Verheerungen der Rhone Zornesausbrüche, ihre wirbelnden Schlünde Windungen eines Ungeheuers sind, des „Drac“, oder der „Tarasque“, einer Art Drachenschildkröte, deren Abbild bei gewissen Festlichkeiten feierlich und geräuschvoll hin und her geschleift wird. 

 

Der Fluss Rhone hieß früher Rod- ana, eine Bezeichnung für die Muttergöttin Ana mit ihrem  Drachen. Sie war der Fluss selbst, sie lenkte die Drachenkräfte, sie war geachtet und verehrt, aber auch  gefürchtet, wenn sie im Frühjahr über die Ufer trat und Überschwemmungen und Verwüstungen mit sich brachte. 

 

St-Michel-de-Frigolet „Unsere Liebe Frau vom guten Heilmittel“

In einer geschützten Talsenke liegt unter dem Gipfel des kleinen Berges Montagnette das Kloster St-Michel-de-Frigolet, in völliger Ruhe und Einsamkeit. Marcel Pobe schreibt: Dass der Erzengel Michael auf Bergeshöhen verehrt wird, ist eine bekannte Tatsache.

 

Der Beiname, den er hier trägt, ist auf ein Kräutlein zurückzuführen, das über die ganze Montagnette seinen scharfen und doch angenehmen Geruch ausströmt, nämlich auf den Thymian, provenzalisch farigoulo oder ferigoulo genannt. Ins linke Schiff der großen Kirche von St-Michel-de-Frigolet einbezogen, ist an seiner achteckigen Kuppel das ursprüngliche kleine Heiligtum Notre-Dame-du Bon-Remede zu erkennen, das heißt, die Kapelle des zwölften Jahrhunderts, in der Unsere Liebe Frau vom guten Heilmittel verehrt wurde.

 

Was uns an der völlig bunten Klosterkirche begeisterte, benennt Marcel Pobe in seinem Reiseführer als „schlimmen Kitsch“. Doch der Genius Loci dieser Klosteranlage weist durch die Malereien auf  die ganz besondere Heilkraft des Ortes, die in den üppig wachsenden Pflanzen der umliegenden Landschaft zu finden ist. Wir erwanderten den kleinen Berg, staunend über die Vielfalt der Kräuter wie Thymian, Rosmarin, Wacholder, Zistrose, Mariendistel, Mohn und Kamille. 

Sich hierher zurückziehen, den Berg erwandern, Kräuter zu geschmackvollen Gerichten zu verarbeiten, in die wunderbare Stille des Föhrenwaldes hinein zu spüren, zu Beten….doch wer hat schon Zeit!?  

 

5.Tag - Arles / Alyscamps

 

Schon früh verließen wir unser kleines, einfaches Hotel und fuhren nach Arles hinein, wieder blies uns der eiskalte Wind um die Ohren, doch die Sonne strahlte trotzdem.

Auf den zweiten Blick hat Arles einiges zu bieten. Ich erstand eine alte Räucherpfanne, da ich ja bei keinem Antiquitätenladen vorbeikomme J

 

 

Das Zentrum verwandelte sich am Vormittag in einen nicht endend wollenden, bunten Markt. Das frische Gemüse, Obst, die riesigen Paellapfannen, lebende Hühner … wohin zuerst blicken?

 

 

Enttäuschend verlief unsere Suche in Arles nach den schwarzen Madonnen der Provence. Verbrannt, gestohlen, der Kopf abgeschlagen, verscharrt, verschwunden, in Sicherheit gebracht … die meisten Kirchen riesig, doch kalt und leer, von männlichen Heiligen dominiert. Das Wissen des alten Europa um die Traditionen der Muttergöttinnen Isis, Istar, Inanna, Kybele, Astarte … ist verloren gegangen.

 

 

Ihre Fähigkeit Tod in Leben zu verwandeln sind vergessen, denn besonders in Alyscamps, einst ein gallischer Friedhof, hätten wir diese Präsenz erwartet.

An unzähligen Steinsarkophagen die still, verlassen unter dem Schutz des „Weltkulturerbes“ zerfallen, wanderten wir vorbei und stellten uns vor, wie schön es hier wäre, wenn es Menschen erlaubt würde neue Ideen und Leben hereinzubringen. 

 

 

Doch wieder überraschte uns Arles, denn im Zentrum, in der Kirche St.Anne (sie ist schon fast eine Ruine) war dieses Leben bereits wieder vorhanden. Eine Ausstellung über Mode, Schmuck, Sekondhand-Kleidung, eine Bühne für Theatervorstellungen, bastelnde Kinder die sich nicht stören ließen … hier wuchs dieses neue unkonventionelle Leben bereits wieder aus den Ruinen hervor, schöner hätte es gar nicht sein können. 

 

6.Tag - St.Marie de la Mer / Die Prozession

 

St.Maries de la Mer ist auch heute noch ein Fischerdorf.

Diesmal war die Krypta erleuchtet von den unzähligen, bunten Kerzen und erwärmt, ja erhitzt durch die Menschenmassen, die ununterbrochen herein strömten, alles schien zu vibrieren.

Wir beobachteten berührende Momente der einzelnen Gläubigen und ganzer Zigeunerfamilien, die geduldig darauf warteten ihre Sara zu küssen, zu berühren, ihr Geschmeide oder Blumen umzuhängen.

Die schwarze Sara verschwand förmlich unter den vielen, bunten, seidigen Umhängen, nur mehr der kleine Kopf, geschmückt mit einem kostbaren Diadem ragte heraus. 

Wie eine geduldige Mutter die in unendlicher Güte alle Sorgen und Bitten ihrer Kinder annimmt, wartete sie auf die Prozession. 

 

 

  

Bis es am Nachmittag soweit war und die von allen bereits mit Spannung erwartete Herablassung der Reliquien von Maria Salome und M.Jakobi unter sich immer lauter steigernden „Vive le sante Marie“-Rufen mit Gesang und Gebet, soweit war, vergingen Stunden. 

 

 

 

Die Prozession begleitet von den Gardians mit ihren weißen Carmarque-Pferden, den Arlesiens mit ihren alten, kostbaren Trachten, den Bischöfen, den Einsiedlern und den betenden Gläubigen wälzte sich durch den Ort ans Meer, die Straßenränder gesäumt von den vielen Touristen, die dieses Spektakel fasziniert mitverfolgten.

 

 

 

Dicht dran am Geschehen wurden auch wir ins Meer gedrängt, Handys und Kameras klickten ununterbrochen um dieses Momente festzuhalten und sofort in die ganze Welt zu versenden J 

 

 

 

Nach ihrem Gang ins Meer kehrte die schwarze Sara in die Kirche zurück, am Strand jedoch breitete sich freudige Stimmung aus. Zigeunerfrauen warfen Blumen ins Meer und junge Männer packten Gitarre und Geige aus. 

 

 

Stundenlang hätten wir noch der Zigeunermusik und denTänzen zusehen können. Nach dem Genuß des provenzialischen Nationalgerichtes, des Taurus,war der Schreck groß. Ohne Zeitgefühl hatten wir vergessen, das Auto aus dem Parkplatz zu holen, doch konnten wir uns wieder einmal auf die Hilfe der Franzosen verlassen, die uns mit eingeklappten Seitenspiegeln durch eine Lücke herauslotsten und wir reihten uns ein, in die lange Kolonne Autos die St.Maries de la Mer verließ, das nun wiederum seine Ruhe hat.

 

7.Tag - Chapelle Notre Dame / Heimfahrt

Um die Heimreise etwas aufzulockern besuchten wir noch die Kapelle Notre Dame in der Nähe von St.Maximin de la Baume die inmitten von hügeligen Weingärten liegt. 

Wir sammelten die Blüten von Wildrosen, Thymian, Steinklee und Königskerzen und genossen die Ruhe dieses einsamen Ortes, bevor wir uns in die Verkehrshölle stürzten. 

Mindestens 10 Schutzengel begleiteten uns sicher nach Hause J

 

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Frau Vera hilft weiter!


Liebe Frau Vera    Ihr Artikel über Frau Mizi Humtidumm hat mir Mut gemacht Ihnen zu schreiben. Ich lese Woche für Woche Ihre Zeitschrift "Miesmutz" und staune  über die Mö