Juni 2016 - Sonnenverehrung in Schwarzach / St. Veit, Pfarrwerfen und Werfen

Endlich wieder ein freier Tag für Bruni und mich, es ist ja heuer ein Schaltjahr und Bruni’s Nachbarin sagt: „Das wird nix mehr Gscheites“, sie meint das in Bezug auf das Wetter, und so haben wir uns halt ordentliche Gummistiefel besorgt!

Die Sommersonnenwende kommt mit Riesenschritten auf uns zu, eine wichtige Zeit im Jahreskreislauf und weil es halt heuer auch ein bisschen an Sonne fehlt, haben wir die Orte aufgesucht, in denen die Sonne früher eine besondere Rolle spielte.

 

Die Sonnengöttin wurde vor allem im Pongau verehrt, sie hat dort Einzug in den Kirchen gehalten. Maria im rot-goldenen Kleid hat ihre Nachfolge übernommen, Mutter Anna begegnete uns als Himmelsgöttin, aber auch als fürsorgliche Mutter. 

 

Der Altaraufsatz in der Kirche von Schwarzach zeigte am deutlichsten, 

wem hier einst die Verehrung galt, das bestätigte sich auch im Nachbarort St. Veit.

    

 

Altaraufsatz in der Kirche von Schwarzach

 Der Heilige soll in einem siedenden Kessel voll Öl gemartert worden sein, doch der Kessel gehörte einst auch der Göttin. Aus ihrem fruchtbaren Schoß, dem Krug, der Schale, dem Kelch oder Kessel, kam Fruchtbarkeit, Nahrung und das neue Leben.  

Die glühende Hitze weist auf den Sonnenstand, der in den zwölf heiligen Tagen der Sommersonnenwende am höchsten war. Der Heilige St. Veith ist dort zu finden, wo Menschen zu Ehren der Sonne ekstatisch tanzten, ihm wurden schwarze Hühner geopfert, die in einer Steige hinter dem Altar aufbewahrt wurden. Ihr lautes Gegacker störte den Verlauf der Messe, deshalb soll dieser Brauch abgeschafft worden sein. 

 

Prozessionsfahne in der Kirche von St. Veith / Pongau
Heiliger St. Veith mit Sonnenkrone
und Sonne im Schluss-Stein der Kirche

Nach einer Rast in Goldegg gings weiter nach Goldegg Weng. Ach wenn Dani nicht immer so neugierig wäre! 

 

Doch das Gute daran ist, dass wir sonst nie diese wunderschöne Anna Selbdritt Gruppe gefunden hätten.

 

In Pfarrwerfen, wo wir als nächstes hinfuhren, ist das Patrozinium dem hl. Cyriak geweiht. Pfarrwerfen hieß in früheren Zeiten St. Cyriak und gehört wie St. Veit und Altenmarkt zu den ersten kirchlichen Stützpunkten im Pongau. 

Der Heilige führt einen Drachen an der Kette, das ist ein ungewöhnlicher Anblick, denn meist sind es die Heiligen Georg und Michael, die zur Bezähmung der Naturkräfte eingesetzt wurden.

Bleiben wir noch in der Kirche: Wieder begegnet uns die Heilige Anna am rechten Seitenaltar.

Zart und jugendlich Maria mit dem Kind, sitzend auf einem Thron, bekleidet mit weißem Kleid und blauem Mantel. Sie repräsentiert die Frühlingsgöttin, die segnend bei den Prangtagen um die Fluren getragen wird. Begleitet von den bunten, mit Wolle umwickelten Prangstangen, die im Kirchenraum Spalier stehen. 

 

Die Spuren der Verehrung der Göttin, finden wir in Pfarrwerfen auch im lebendigen Brauchtum. Deutlich zu sehen an den Lichtkappen, die beim Perchtenlauf zur Wintersonnenwende mit den Symbolen der Gestirne, mit Sonne, Mond und Sternen durch den Ort getragen werden. 

 

Die Kirche ist wirklich beeindruckend schön in ihren Details, auch außen das gemalte Christophorusbild. Deutlich sieht man das Gesicht oben in der Ranke, ist es ein Elementarwesen oder ist Mutter Ana gemeint?

 

Die Präsenz des Lindenbaumes, der gerade in voller Blüte steht, vermittelt Ruhe und Herzensgüte.

 

Früher wurden um diese Jahreszeit die Sonnwendküchl gebacken. In den jahreszeitlichen Speisen hat die Verehrung und Präsenz der Muttergöttin / Percht überlebt. Wir fragten zwei alte Frauen, ob sie sich noch an diese Speisen erinnern können und sie erzählten uns, dass sie diese auch heute noch backen.

 

Wie so oft auf unseren Ausflügen lernten wir auch eine junge Frau kennen, eifrige, heftige und laute Diskussionen über Flüchtlinge, Familie und Beziehungen waren die Folge. Ja die Menschen im Land machen sich viele Gedanken über unsere jetzige Situation und hätten oft überraschende Lösungsansätze.

 

April 2016 - Tweng

Wildfrauenloch Tweng

Small is beautifull – oder sei auch mit wenig zufrieden J

Bruni  wollte mir unbedingt das Frauenloch in Tweng zeigen, wir hatten nicht viel Zeit, die Lernkinder wollen betreut sein, es ist schließlich Schularbeitenzeit, doch wo ein Wille, da ein Weg, wenn auch ein sehr steiler. 

Hinter der kleinen Volksschule in Tweng beginnt der Weg. Begleitet vom tosenden Schmelzwasser, das laut rauschend ins Tal stürzt und uns zum Schweigen brachte,  stiegen wir den Berg hinauf, denn direkt zur Höhe kommt man nur als Höhlenbergsteiger, das sind wir ja nun wirklich nicht.

Der Blick hinüber zur Höhle, ins Tal hinunter und auf die gegenüberliegenden Berge ist sehr beeindruckend. Der Frühling beginnt auch im Lungau, Huflattich, Himmelschlüssel und Veilchen blühen bereits und auch die Käfer und Hummeln sind schon fleißig unterwegs.

Zur Sage von der Wildfrauenhöhle, sie ist wohl eine der ungewöhnlichsten im Lungau, weiß Bruni folgendes zu berichten:

 

Das Wildfrauenloch befindet sich in den Felsen der Satanswand oberhalb von Tweng. Zustieg

durch Abseilen vom Latschenköpfl über der Höhle. Das 6 m breite und 8 m hohe Portal führt in

eine Halle, die nach 25 m endet. Ein Schlot im vorderen Hallenteil führt nach 10 m zur Oberfläche.

Vermutlich durch Ausbruch entstanden. (Salzburger Höhlenbuch)

 

Wildfrauenhöhle  Satanswand

 

Gleich oberhalb des Dorfes Tweng, dort wo der Weitschenbach in überstürzender Hast durch den Felsengraben in die Tiefe rauscht, erhebt sich eine steile, wild zerklüftete Felswand, die ihre Gesteinsmassen fast senkrecht über dem Tal auftürmt. Es ist die Satanswand, im Volksmunde kurz der „Satan“ genannt. In dieser Felswand unweit des wild zu Tale stürmenden Weitschenbaches befindet sich im unzugänglichen Felsenhange eine Höhle, welche im Volke unter dem Namen  „Wildfrauenhöhle“ bekannt ist. Über diese Höhle gibt es folgende Sage: In Tweng einmal eine Tanzunterhaltung, zu der auch drei auf den umliegenden Bergen hausenden Wildfrauen erschienen waren. Auch der Satan, als schmucker Jägerbursche verkleidet, stellte sich ein. Dieser hatte es besonders auf die drei Wildfräulein abgesehen, die er hin und wieder zum Tanze führte. Doch Satan war ein schlechter Tänzer und so wollten die drei holden Bergfräulein nicht mehr mit ihm tanzen. Als er sich ihnen wieder einmal näherte, um sich eine von den dreien zum Tanze zu holen, sagte die erste unwillig zu ihrer Gesponsin:„Ich geh nicht mehr mit ihm tanzen, magst du ihn nehmen!“ Auch dies wollte von ihm nichts mehr wissen und sagte:“ Bevor ich mit diesem noch einmal tanze, gehe ich lieber gar nicht!“ Ebenso weigerte sich die dritte und sagte in trutzigem Tone: „ Soll mich der Teufel holen, wenn ich mich von dem da noch einmal zum Tanze führen lasse!“ So musste Satan wieder abziehen, nachdem er von den schönen Wildfräulein einen Korb erhalten.  Dies ärgerte ihn gewaltig und er schwor in seinem Grimme, sich an den drei Wildfrauen zu rächen. 

 

Als diese nach beendeter Tanzunterhaltung sich nach Hause begaben, überfiel sie Satan, der hinter einem Felsblocke auf sie gelauert, entführte sie in das wilde Felsgewände oberhalb des Tales, wo er mit ihnen in einer unzugänglichen Felsenhöhle, deren klaffende Öffnung vom Tal aus zu sehen ist, verschwand. Dort hausen nun die drei Wildfrauen und führen ein trauriges Dasein, bis ein kühner Gemsjäger die unzugängliche Felswand bezwingt und sie von dem Banne befreit, wofür ihm reicher Lohn zuteil wird. An schönen sonnenhellen Tagen soll man  zuzeiten vor der Höhle Wäsche hängen sehen, welche die Wildfrauen zum Trocknen aufhängen. 1 - 

 

Die Kernaussage dieser verzerrten Erzählung berichtet von einem Frauenkultplatz in Tweng, am

Fuße der Satanswand, auch Kesselwand genannt. Im Steinkult vorchristlicher Kulturen galt eine 

Berghöhle als heiliger Schoß der Erdgöttin. Aus ihrem Kessel sprudelt das kostbare Wasser, dem 

die Kraft der Lebenserneuerung innewohnt. 

  

Der Teufel weist auf den männlichen Aspekt der Natur, auf den Wilden Mann des Waldes, auf den

Vegetationspartner der Göttin, der auch in Tiergestalt erscheinen kann. Als Hirsch, Widder, Stier, 

oder Ziegenbock, weist er auf ihre heiligen, gehörnten Tiere.

 

Wilder Mann Salzburg

Die Wilden Frauen waren Menschen der Vorbevölkerung, sie lebten zurückgezogen auf den

umliegenden Bergen, oder  in Höhlen. An schönen Tagen sahen die Talbewohner oftmals Wäsche 

vor dem Höhleneingang flattern, oder waren es nur Nebelstreifen?

Weiße Wäsche, sowie das Spinnen und Weben gehören zum Wirkungsbereich 

der Großen Göttin. 

Als „Wettermacherin“ zieht sie mit Wind und  Wolken, mit Nebelschleiern und 

Schneetreiben im Winter über die Berge und Täler. Ihr zu Ehren feierten die Bewohner der

Alpentäler die Frühlings- und Sommerfeste mit kultischem Tanz und Maskenbrauch, das sollte

auch die Übergänge zwischen den Jahreszeiten erleichtern und alle Beteiligten an das kosmische

Geschehen anbinden.

 

Getanzt wurde im Sommer in allen Almtälern des Lungaues. Die sogenannten Winkeltänze wurden

von den kirchlichen Behörden unterdrückt und zu einem sündigen Treiben herabgewürdigt. Als

„abscheuliche Hexentänze“ sollen sie auch im Twenger Landschfeld üblich gewesen sein, davon

berichten wir euch bei unserer nächsten Wanderung.   

 

   

 

   

Februar 2016 - Valentinshaft

Endlich - nach ausgeheilter Verletzung, familiären Umständen und beruflichen "Unpässlichkeiten" - konnten Bruni und ich uns wieder treffen und unseren Forschungen nachgehen. Unser Ziel ( schwierig eine Entscheidung zu treffen, denn vieles wartet in der Schleife) war Valteninshaft, eine kleine Ortschaft in der Nähe von Munderfing in Oberösterreich. Die Gegend ist „magisch“, gibt es doch dort so vieles zu entdecken und auszugraben.

 

Die Bewohner von Valentishaft sind sehr stolz auf die kleine Kirche des Ortes, die von der Dorfgemeinschaft mit großem Engagement gepflegt und gehütet wird. Sie hat ein ungewöhnliches Patrozinium, denn sie ist dem heiligen Valentin geweiht, dessen Festtag am 8. Jänner gefeiert wird. An diesem Tag sollen früher auch tausende Pilger diese Wallfahrtsstätte besucht haben, vor allem um von Epilepsie, der „hinfallenden Krankheit“, geheilt zu werden. Der heilige Wolfgang, Bischof von Regensburg, soll sich hier ebenfalls aufgehalten haben.

Die Bitte um Heilung galt einst der Göttin des Ortes, die in einem Stein verehrt wurde. Dieser Steinkult geht zurück bis in die Jungsteinzeit und zeigt sich in diesem Dorf ganz deutlich. 

Gustav Guggitz berichtet: Ein Stein in Valentinshaft, heute fast unzugänglich und durch einen Zubau verdeckt, schreibt seine Spuren und Löcher legendarisch dem hl. Wolfgang zu, der durch ihn gegriffen hätte, um die Kirchentür zu öffnen. Die Kirche, die fast ein halbes Jahrtausend nach dem Tod des hl. Wolfgang erbaut wurde, hat mit dem Heiligen sonst gar nichts zu tun (Patrozinium hl. Valentin), der Stein aber sicher auch nichts, denn es ist bezeichnend, daß man diese, sicher künstlich hergestellten Löcher im Stein einerseits einem Wunder des Heiligen zuschrieb, andererseits aber den Stein sorgsam hinter einem Anbau versteckte. Wozu, wenn durch ein solches Mirakel der Heilige doch verherrlicht werden sollte, was ja auch durch ein Bild mit dem Vorgang über dem Kirchentor dargetan wird?

Auch diese Löcher haben einst entweder einem alten Heilzauber oder einem anderen kultischen Zweck gedient und der Stein war längst vor dem ad hoc errichteten Kirchenbau vorhanden.  

Könnte das für die Vorgeschichte höchst wertvolle Überbleibsel etwa aus dem Megalithikum sein (Seelenlöcher, Türlöcher)? Auch hier galt es wohl wieder, einen alten Steinkult mit seinen Traditionen christlich zu überlagern. Aber es wäre wohl dennoch an der Zeit, mit solchen ängstlichen Überständigkeiten aufzuräumen, den armseligen Verlegenheitsanbau wegzuschaffen und das alte Kulturdenkmal, das allen gleich viel besagt, wie in alter Zeit wieder sichtbar zu machen. So zeigt es ja auch das alte Ursprungsbild über dem Kirchentor.

Gustav Guggitz, Wallfahrten in Oberösterreich, S 55/56

 

 

Heiliger Valentin und Heiliger Wolfgang

Es ist nun schwierig herauszufinden, wie der einstige Steinkult hier ausgeübt wurde und von welchem Stein Gustav Guggitz genau berichtet, denn er spricht von mehreren Löchern im Stein. Wir fanden rechts neben der Kirche, hinter einer kleinen Eisentür wohl den Stein, durch den der hl. Wolfgang der Legende nach gegriffen hat, um die Kirche zu öffnen. 

Die Berührung des Steines verursacht ein freudiges Gefühl, es macht einfach glücklich ihn gefunden zu haben. Tausende Hände dürften ihn wohl vor uns betastet und völlig glattgescheuert haben.

 

Bernhard, der Mesner in Valentinshaft erzählt uns, dass seine Familie schon seit Generationen für die Kirche sorgt.  Er zeigte uns einen weiteren Stein, der auf seinem Hof liegt und der, wie er schmunzelnd meinte, ein „Wunschstein“ sei, wer alle fünf Finger in den Stein legen könne, dürfe sich etwas wünschen.

 

Bernhard, der Mesner und sein junger Hund Niki,
zeigen uns den gut verborgenen Wunschstein

Es gibt an vielen Wallfahrtsorten Beispiele von ähnlichen Steinen, wo Menschen mit einer Bitte um Heilung, oder dem Wunsch um Wandlung einer schwierigen Lebenslage ihre Hand, oder ihre Finger in den Stein legten. „Greif an den Stein“, hieß es in Greifenstein an der Donau, in Hrastovlje / Istrien gab es einen Fingerstein, sowie in der Lorettokirche in Salzburg.

 

Weiter geht die Fahrt nach Schwandt bei Maria Schmolln, wo uns am  Bauernhof unserer Schwester Heidi, schon ein gutes Essen erwartet. Stefanie unsere Nichte zeigt uns stolz die Tiere. Es ist Frühling, die Zeit der neugeboren Ziegen und Lämmer, die nun gesäugt werden. Die Hühner legen fleißig die Eier für Ostern und  Hansi der Ziegenbock lächelt uns smart entgegen, als wollte er sagen: „Für den Nachwuchs bin ich zuständig!“

 

VERSTEHEN SIE SPASS

Frau Vera hilft weiter!


Liebe Frau Vera    Ihr Artikel über Frau Mizi Humtidumm hat mir Mut gemacht Ihnen zu schreiben. Ich lese Woche für Woche Ihre Zeitschrift "Miesmutz" und staune  über die Mö