Montag, 1.7.2019 – Anreisetag

 

Mit dem Flugzeug ist es eigentlich ein Katzensprung nach London Heathrow, aber das Drumherum ist ein wenig nervig und so dauerte es bis alle von der Reisegruppe „Gartenreisen in England“ zusammenfanden. 

Natürlich waren Anna und ich schon ein wenig neugierig wer uns denn da begleiten würde, denn kurz vor der Abreise erfuhren wir, dass es wohl eine kleine personelle Änderung geben würde. Uns war es egal, kannten wir ja weder Frau Walz noch Herrn Mally von Olivia-Reisen. 

Wir wurden angenehm überrascht denn sowohl Roman Mally als auch Bosa unsere deutschsprachige Reisebegleitung als auch der Busfahrer David, der uns die ganze Woche über souverän kutschierte, sie alle erwiesen sich als lustige und erfahrene Menschen, die uns nicht einmal das Gefühl gaben, wir wären lästig oder anstrengend, obwohl wir ja ständig dieselben Fragen stellten…

Wir starteten also gleich los in den ersten Garten: 

Woburn Abby Garden 

Wenn die Engländer Garten sagen, meinen sie ein Areal, das mitunter 100erte Hektar umfassen kann :-)

Die Dimensionen sind unvorstellbar für uns (mit unseren kleinen Gärtchen) und wunderschön das viele, viele Land rundherum. Die Landschaft durchzogen mit Hecken, Wäldern, kleinen Dörfchen und überall riesigen, alten Baum-Majestäten inmitten der Felder. Um sie sammeln sich mittags die Tiere (Schafe, Rinder) um Siesta zu halten.

Besonders die alten, stolzen Baumriesen hatten es uns angetan: Eichen, Libanonzedern, Kastanien, Ahorne … einfach wunderschön. Durch den Garten führte uns der Headgardener, sie genießen in England höchstes Ansehen!

Unser Eindruck des Gartens gefühlsmäßig: bezaubernd – beruhigend. 

So bekam unsere Reisegruppe, übrigens alles sehr nette Leute, einen ersten Eindruck, wie wohl die Reise weiter verlaufen würde und wir bezogen ziemlich müde unser Hotel, das uns die ganze Woche gut versorgen würde, bis auf die unterkühlten Raumtemperaturen, die sind doch etwas gewöhnungsbedürftig in England.

 

Dienstag, 2.7.2019: Sissinghurst Castle Garden – Garden at Great Dixter

Sissinghurst ist der Garten von Vita Sackville West und Harold Nicolson, sie begannen 1932 mit der Planung und Bepflanzung. Wir erwarteten nach Bosas Beschreibung eine Ruine mit Turm und waren riesig überrascht über dieses besonders schön gestaltete Paradies; einfach gewaltig die verschiedenen Gartenräume, alles wunderbar durchdacht.

Viele Menschen haben hier Arbeit, denn es ist kreislaufmäßig bewirtschaftet, das angebaute Gemüse wird im Restaurant verkocht, Pflanzen werden verkauft, fast alles kann besichtigt werden. Stunden über Stunden könnte frau hier verbringen.

Der Garten ist auch die Geschichte einer Beziehung, eines ganzen Lebens geprägt von Höhen und Tiefen, very, very interesting also :-))

Unser Eindruck: so lovely.

Am Nachmittag besuchten wir den Great Dixter Garden. Es war sehr unterhaltsam, lehrreich und natürlich praktisch mit dem Bus durch das Land zu zockeln, abwechseln unterhielten uns Bosa und Roman mit Geschichten über Land und Leute oder mit Vorträgen über Gärten, ihre Bewirtschaftung, über Kompostwirtschaft und Schädlinge. Gleichzeitig konnten wir uns an der schönen und abwechslungsreichen Landschaft nicht sattsehen.

Great Dixter ist die Geschichte eines Eigenbrötlers, eines Mannes, der, nach dem „Mutti“ tot war, ihren Rosengarten vernichtete und seine Version konsequent verwirklichte in einem Haus aus dem 16. Jahrhundert, morbid und schön zugleich.

Die Vielfalt der Beete, Töpfe und Gartenbereiche erschlug uns fast und auch die Zeit war knapp bemessen. Besonders interessant waren die „mixed borders“, Beete so bunt, geschickt und kunstvoll bepflanzt wie wir es noch nie gesehen hatten.

Hier wachsen Bananen, Engelwurz, Funkien, Rosen, Clematis, Kräuter, Gemüse … einträchtig miteinander. Der Wehrmutstropfen ist wohl die Respektlosigkeit, der die Privaträume ausgesetzt sind, die Bücher und Bilder verstauben und hinterlassen so einen recht schmuddeligen Eindruck!

Unser Eindruck: Staunen pur! (Leider keine Zeit für Pflanzenkauf).

 

Mittwoch, 3.7.2019: Stuart Cottage Garden von Gale Leader – Losely Park

Der Privatgarten der Leaders ist das, was man sich so unter „englischem“ Garten vorstellt. Ein Garten wie aus einem Gartenheft, so schön und gepflegt, wie frau es selber niemals hinkriegen würde und das weiß man auch. Die zwei typisch „english people“ sind sehr feine, liebevolle Leute, die uns voll Stolz ihr Paradies zeigen, erklären und geduldigst Fragen beantworten, auch die Frage, wie viel Arbeitszeit sie dort verbringen und ob sie den Garten auch genießen könnten?

Die Dame des Hauses lächelte nur und antwortete: Die Arbeit ist doch der Genuß!

Überall sind verspielte Gartenecken, ein Birkenwäldchen, Brunnen und Skulpturen, ein Gemüsegarten, denn man versorgt sich selbst, eine Obststreuwiese und ein Blumenkindergarten, wo frau Ableger kaufen kann und das tun wir auch, vielleicht schaffen sie den Heimflug.

Tee, Kaffee, Ingwer-Cookies, Kuchen und Rosinenbrot runden den Besuch ab, dessen Eintritte in eine Stiftung fließen.

Unser Eindruck: Wir wären noch gerne geblieben!

Der Loseley Park der Familie More-Molyneux war unsere nächste Station. Eingebettet in die außergewöhnlich schöne Landschaft der Grafschaft Surrey liegt der Loseley Park aus dem 16. Jahrhundert, der schon ein einiges mitgemacht hat und wohl jetzt seine Hochblüte erlebt. Das viele, viele Land ist wohl der Reiz der Sache. Man kann nur ehrfürchtig staunen über die prächtigen, alten Libanonzedern, die an die 350 – 400 Jahre alt sind. 

Auch die uralte Glyzinie an der langen Westwand beeindruckte uns ungemein. Obergärtner Barnely führte uns stolz durch sein Reich: den Kräutergarten (kulinarisch, heilend, dekorativ und für den Haushalt), Pflanzenverkauf, weißer Garten (auch buchbar für Hochzeiten u. Partys), Gemüse- und Schnittblumengarten, Wassergraben, Blumengarten und natürlich der riesige Rosengarten mit über 1000 Rosen und besonders exquisiten Steinskulpturen.

Auch ein Teil des Hauses konnte besichtigt werden, es leben hier 4 Generationen unter einem Dach, aber wir müssen hier in anderen Dimensionen denken wenn wir Dach sagen :-))

Beim anschließenden Barbecue unter freiem Himmel in wunderbarer Atmosphäre ließen wir den Tag ausklingen. Wir fühlten uns wie englische Lords und Ladies ;-)

Unser Eindruck: Eine große Veranwortung!

Donnerstag, 4.7.2019: Sussex Prairie Garden – Seebadeort Brighton  

Der Garten von Pauline u. Paul McBride ist ein relativ junger und außergewöhnlicher Garten, eine Oase der Schönheit und Ruhe. Die zwei lernten sich in Luxemburg kennen, es war die Zeit ihrer Lernjahre u.a. bei Piet Oudolf, dem bekannten niederländischen Landschaftsgärtner. Ohne berühmten Gartenplaner bei dem man gelernt oder zumindest ein Praktikum gemacht hat, läuft hier in England gar nichts.

Danach kehrten sie voller Ideen auf Paulines Farm zurück und begannen ihre Gartenversion zu verwirklichen, unterstützt von vielen Freunden, die vom Gärtnern nichts verstanden, doch bereit waren sich einzubringen und so wurde diese Vision Wirklichkeit :-))

Wir flanierten bei Kaiserwetter durch die Spirale der Wunder, durch Gräser und Stauden, Kunstwerke – sicher einer der schönsten Gärten der Reise.

Wir lernten wie es möglich ist dieses riesige Stück Land mit so wenig Menschen zu bewirtschaften: Die zwei lassen alles an Gräsern und Blumen stehen, natürlich wird gejätet und geheidelt, aber im Jänner, an einem absolut ruhigen Tag werden die Beete abgebrannt. Dann wird erstmal auf Urlaub gefahren und danach geht die Gartensaison wieder los; das ist doch genial, oder?

Unser Eindruck: Auch so funktioniert Gartenarbeit hervorragend!

Der Tag verlangte Disziplin von uns allen.

Im Seebadeort Brighton besichtigten wir zuerst den Royal Pavilion, den Prinz Georg IV. 1815 erbauen ließ. Grandios was diese Herrschaften sich alles ausgedacht haben, unvorstellbar schöne Kunstwerke erfreuten uns, die Zeit war naturgemäß viel zu kurz, das Staunen garantiert. 

Eine Stadtrunde in dem malerischen Städtchen inklusive „Fisch & Chips“ am Strand genossen wir sehr.

Weiter ging die Fahrt ins „Bluebell“-Weingut. Die ehemalige Schweinefarm eines Singapurers ist seit einigen Jahren ein kleines, feines Weingut, das Schaum- und Weißweine produziert. Es gibt ja in England bereits einige Weingüter und wenn das Klima ständig wärmer wird, werden sie dort auch Rotweine produzieren.

Unser Eindruck: Nett gemacht

 

Freitag, 5.7.2019:  Pashley Manor – The Walled Nursery – Limekiln Farm

Ein Privatgarten von ca. 6ha ! mit einem Haus aus dem 16.Jahrhundert erwartete uns, in dem die Besitzerin Mrs. Sellick selbst die Führung gestaltete, mangels Headgardener Mr. Baylet, der die Familie nach 25 Jahren bester Zusammenarbeit verlassen hat um sein eigenes Ding zu drehen. Ja es ist schwer gutes Personal zu bekommen, das wissen auch die Briten!

Der Garten mit altem Baumbestand, Teichen, wunderschönen Mixed-Borders und tollen Kunstwerken beeindruckte uns mächtig. Sieben Gärtner sind vollauf beschäftigt, dass dies erhalten wird. Im Frühling werden 35.000 Blumenzwiebeln gepflanzt, man kann sich vorstellen, wie es dann blüht. Diese Frühlingsgewächse werden, sobald abgeblüht, ausgegraben und verschenkt oder weggeworfen und das jedes Jahr !!! nur um immer wieder neu zu überraschen.

Schade dass ich so weit weg bin, ich wäre wohl die Erste, die beim Ausgraben freiwillig helfen würde ;-)

Weiter führte die Fahrt in die Walled Nursery, eine alte Gärtnerei, seit einigen Jahren reaktiviert im Shabby Chic, ist ein entzückender Ort mit großer Geschichte. Umgeben von Mammutbäumen und Feldern wird sie liebevoll von Emma und Monty Davies bewirtschaftet. Er kocht, sie gärtnert und serviert.

Die alten Glashäuser im viktorianischem Stil sind bereits z.T. renoviert, aber natürlich gibt es noch für viele Jahre Arbeit.

Wir aßen köstlichen Rosenkuchen, Quiches mit Salat und Blüten, pikante Scones und genossen Tee, Ingwer- oder Elderflowerlimonade.

Wir wären gerne noch geblieben, aber unser nächstes Ziel die Limekiln Farm wartete bereits auf uns.

Die Besitzerin erwartete uns am Tor und wir gingen miteinander zu Fuß an Regenschirmbaum, Persischem Eisenholz, Redwood, Weißdorn und schönen, alten Eichen zum Haus aus dem 18.Jahrhundert, in dem auch Virginia Woolf zu Besuch war.

Der Sturm im Jahre 1989 hat in all diesen Gärten große Schäden angerichtet, aber es wird eifrig für die kommenden Generationen nachgepflanzt.

Die zwei bereits in die Jahre gekommenen Herrschaften sind zu bewundern, noch lassen sie sich die Sorge um die Nachfolge nicht anmerken, aber es ist sicher nicht einfach, wenn die Kinder in alle Welt verstreut sind.

Wunderschöne, gesunde Rosen, herrliche Mixed Borders, Gemüse- und Kräutergarten, Teich mit Bachlauf … man kann es gar nicht beschreiben wie schön.

Und so alt die Besitzer auch sind, kein Grund um nachzulassen, nein, ein Moorbeet ist bereits in Planung und Vorbereitung, den Stillstand wäre wohl das Ende.

Wir schlossen den Tag ab mit der Erkenntnis dass England eine großartige Gartenkultur besitzt, die problemlos den Übergang in eine neue Zeit geschafft hat und ohne Berührungsängste Tradition und Zukunft vereint.

 

Samstag, 6.7.2019:  The Hamton Court Palace Flower Show

Der Höhepunkt der Reise, so hörten wir es die ganze Woche – die Hamton Court, nicht ganz so berühmt wie ihre Schwester die Chelsey Flower Show.

Grandios wie die Anfahrt von 1000enden Menschen funktionierte, Briten haben ja überhaupt kein Problem sich anzustellen und zu warten und wir, ja wir ordneten uns ein und machten es genauso.

Ein riesiges Gelände voller kleiner Schaugärten, hunderten Verkaufsständen mit allem ums Gärtnern, Essen und Trinken in allen Variationen, Musik … es kam uns wie ein großer Kirchtag vor. In den Verkaufszelten konnte man Pflanzen, Pflanzen und Pflanzen kaufen oder besonders schönen Schmuck, Bücher, Schafwolldecken und natürlich Hüte, Hüte, Hüte.

Wir waren froh, dass wir unsere Pflanzenwünsche bereits  auf der Reise befriedigt hatten, denn es war heiß und wir hatten keine Trollis wie die Engländer, die mit Picknickdecken und allem Drum und Dran dorthin kommen, mit Kind und Kegel versteht sich.

Natürliche ist es ein Erlebnis der besonderen Art und es ist toll, es einmal erlebt zu haben, damit hat sich´s aber.

Ich habe es nicht ganz verstanden, warum dieses Messen so gehybt werden, aber es ist wohl ein Teil der Tradition. Die ganze Woche besichtigten wir die bezaubernsten und unterschiedlichsten Gärten und wem es an Ideen mangelt, der sollte mal auf Reisen gehen. Wir waren so erledigt und wären am liebsten nach Hause geflogen.

 

Sonntag, 7.7.2019: Wisley Park

Am letzten Tag besichtigten wir den Wisley Park, es war der größte Garten dieser schönen Reise und hier waren auch gefühlsmäßig die meisten Leute unterwegs.

Ein Parkgelände erwartete uns mit den verschiedensten Bereichen wie Alpingarten, Wassergarten, Rosengarten, Kunstwerken, den Great Borders, das sind Beete, ca. 4m breit, originell bepflanzt, hunderte Meter lang und natürlich wieder alte, majestätische Baumriesen, Urwaldbäume und Bäume von denen behauptet wird sie wären bereits ausgestorben wie der Wollemia Nobilis, ein Nadelbaum aus Australien der 1994 wieder entdeckt wurde.

Alle diese Gärten betreiben eigene Gärtnereien (Nurserys), wo die schönsten Pflanzen verkauft werden, oh es war schrecklich für uns, oder vielleicht auch gut, denn es wären wohl die Pferde mit uns durchgegangen.

Die Seerose machte kleine Probleme am Flughafen, aber Roman unser Reiseleiter hatte uns vorher genau instruiert, wie wir uns verhalten müssten und so konnte sie die Reise nach Salzburg antreten und wird doch hoffentlich gut anwachsen.

Eine ungewöhnlich interessante, lehrreiche Gartenreise ging zu Ende, wir waren nicht traurig sondern erfüllt und freuten uns auf  zuhause auf unsere Lieben und naturgemäß auch auf unseren Garten.

 


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Frau Vera hilft weiter!


Liebe Frau Vera    Ihr Artikel über Frau Mizi Humtidumm hat mir Mut gemacht Ihnen zu schreiben. Ich lese Woche für Woche Ihre Zeitschrift "Miesmutz" und staune  über die Mö