Dezember - Die wilde Jagd

Im Dezember mußte ich ohne Bruni zurechtkommen, leider.

Immer am 2.Donnerstag im Advent findet das „Wilde Gjoad vom Untersberg“ statt.

Von der Brauchtumgsgruppe „Jung Alpenland“ veranstaltet, streng geheim ;-) und rund um das Gebiet des Untersberges.

Ein kleiner Anruf bei der richtigen Stelle (natürlich auch streng geheim) und schon wußte ich, daß die wilde Jagd bei uns in Niederalm ihren glücksbringenden Besuch vorhatte.

 

Die Gruppe bestehend aus 12 Figuren und Musikern verkörpert uraltes Brauchtum.

Es sind dies die Wesen aus der Anderswelt, angeführt von Frau Percht (perath: strahlend, leuchtend, schön), die über das Land zogen um einerseits die Felder wieder fruchtbar zu machen und andererseits um die Seelen der Toten, die Tier- und Pflanzenseelchen und alles Schlechte mitzunehmen.

Am 2.Donnerstag im Advent versuchen Menschen dies nachzustellen, aber am letzten Donnerstag geschieht dies wirklich, so kann man es noch aus alten Berichten nachlesen.

Z.B. Pongau / Hüttschlag:

Die Hüttschlager Hebamme, Maria Petroß, war durch ihren Beruf gezwungen, oft in der Nacht unterwegs zu sein. Da sah sie die „Wilde Jagd“, rotglühende Reiter. „Viecher und Leut sind hinaufgewalgnt über die Felswand, man hat das Schreien gehört und auch das Bellen der Hunde.“ Zweimal hat sie das erlebt.

 

 

Die Figuren:

 

Der Vorgeher: Glück hinein, Unglück heraus, es ziagt des wilde Gjoad ums Haus!, das ist sein Spruch und mit seinem Stock mit dem Schrumpfkopf drauf und seinen gewaltigen Hörnern ist er für sich allein schon eine beeindruckende Figur, die ursprünglich Gott Wotan darstellte.

 

Der Riese Abfalter: Er verkörpert den eigentlichen Herrscher des Untersberges.

 

Der Bärentreiber und sein Bär: Die Göttin in ihrer lichtvollen, den Frühling kündenden, Gestalt und ihr Begleiter, ihr Auserwählter.

 

Die Hexe:  Frau Percht oder die wilde Frau vom Untersberg, sie säubert mit ihrem Besen den Platz vor dem Tanz und segnet ihn, indem sie ein Kreuz kehrt.

 

Das Moosweiberl: Es kommt aus der Gegend des Untersbergmooses und symbolisiert die Naturwesen.

 

Der Baumwercher: Stellt den Waldgeist dar.

 

Die Habergoaß: Ziege, die Göttin in Tiergestalt, in ihr stecken 2 Leute drinn, sie treibt allerhand Schabernack.

 

Das Hahnengickerl: Kündigt mit seinem Schrei sowohl das Fruchtbare als auch den Sonnenaufgang als auch das Zusammenkommen an.

 

Der Saurüssel, oder Wildeber, ein Fruchtbarkeitssymbol.

 

Der Tod: Er gibt mit seiner Trommel den Takt an und sieht nach ob die Höfe von den Nachkommen in Ordnung gehalten werden.

 

Der Rabe stellt die Vogelgöttin dar und zwar ihren dunklen Aspekt.

 

 

 

Es war also an besagtem Donnerstag ein nebeliger Abend mit herrlich mystischer Stimmung und wir hörten schon in der Ferne das Trommeln, das wilde Gjoad kam schnell näher und versammelte sich bei den Bauernhöfen in Niederalm um seine Referenz zu erweisen.

Auch wenn doch viele Leute mitgingen, am schönsten war es bei einem Bauern, ich stand unter dem Stallfenster, die Gruppe tanzte und dann legten sie sich auf die Erde, es war für einen kleinen Moment mucksmäuschen still, nur die Kühe muhten leise und dieser Moment war einzigartig - die Zeit stand für Sekunden still – dann sprangen alle auf und mischten sich unter das Volk, denn von den Figuren angefaßt zu werden, bringt Glück und Segen.

 

Die Figuren sind das ganze Jahr im kleinen Untersbergmuseum in Fürstenbrunn zu besichtigen.

 

 

November Lungau - Mitterberg

Blick Richtung Mauterndorf

Im November wollten Bruni und ich uns gemäß der Stimmung ein wenig treiben lassen, ich fuhr also am Morgen in den Lungau und wir entschieden spontan auf den Mitterberg zu wandern.

Der Mitterberg liegt wie ein kleiner Drache im Lungauer Becken und wäre ein Aussichtsturm auf ihm, könnte frau den ganzen Lungau überblicken.

Unser Ausgangspunkt war die "Gritschen", das ist das Wetterkreuz beim Suppanhof in Pichl.

Die Herbststimmung war unbeschreiblich schön, keine Menschenseele die uns begegnete, keine Geräusche und so gingen wir gemütlich bergauf zur Frimmlkappelle die von 2 wunderschönen Zirben beschützt im Wald steht.

 

 

Wir bedankten und für all die schönen Stunden in diesem Jahr und sammelten beim Zurückgehen Zwergerlbart, Zapfen und was uns sonst noch auf dem Weg unterkam, so kamen wir unweigerlich auf die Kasmandln zu sprechen:

Vom Kasmandl

Im Lungau gibt es viele Kasmandl Sagen, die von Regeln, Bräuchen und Verboten rund ums Almleben erzählen. Am Ende des Almsommers, wenn die Hütte eingewintert wird, lassen die Almleute eine Handvoll Salz als Opfergabe auf dem Tisch in der Stub`n zurück, für die „Unsichtbaren“, die ab Martini das Almgebiet und die Hütte beschützen und bewohnen. 

Die Sennerin wird jetzt von der geheimnisvollen Wintersennerin, auch Winterbrentlerin abgelöst. Brenta heißt Nebel und die Winter-Nebelfrau ist niemand anderer als die Göttin, die sich hier in ihrem dunklen Aspekt zeigt, als unheimliche Alte, die jedoch keinem Schaden zufügt, der die Naturgesetze respektiert.

Ab Martini (11. November) beginnt nämlich ein Zeitabschnitt, wo die Alm für die Menschen „Tabu“ ist. Das dauert bis Georgi (April), wo eine neue Vegetationsperiode beginnt. Wer sich im Winter trotzdem auf die Alm wagt, dem kann es übel ergehen.

Ist das Kasmandl ein Naturwesen, das Pflanzen, Mensch und Vieh auch den Sommer über behütet? Oder gehörte es den Menschen der Vorbevölkerung an, die aus ihren Rückzugsorten in den Bergen, aus Höhlen und entlegenen Schluchten hervorkamen, um die verlassenen Almhütten im Winter zu bewohnen?  Sie sollen alle Speise- und Käsereste, die die Almleute übrig ließen, zusammen gesammelt haben, um davon zu leben. 

Das Kasmandl hilft auch Menschen, die das Herz am rechten Fleck haben, die ehrlich und fleißig sind, es weiß oft mehr als man ihm zutraut, wie die folgende Sage aus Lessach berichtet: 

 

D'bläßadö Kuah

 

Beim Blaasbacher im Lessachtale befand sich ein Knecht, der gut Geigenspielen konnte.

Gar oft erfreute er die Hausleute mit seinem lustigen Spiel und nicht selten fanden sich die jungen Leute aus der Nachbarschaft ein, um sich unter den fidelen Klängen der Geige bei Spiel und Tanz zu unterhalten.

Am Vorabend des Martinitages, an dem bekanntlich die Kasmandln in die Alm fahren, sagte der Bauer zu seinem Knechte: "Wenn du mir heut abend das Kasmandl vorbeigeigst, so schenk ich dir mei bläßadö (rot- und weißgefleckte) Kuah!"

Der Knecht ging also gleich darauf ein, holte seine Geige, setzte sich vors Haus und begann zu spielen. Es war schon dunkel, aber der Knecht spielte lustig fort. Da kam auf einmal das Kasmandl mit vielen schwarzen Kühen am Hause vorüber. Als es den Knecht so lustig drauflosspielen hörte, rief es ihm lachend zu: "Jo na, mei Bua, geig na brav zua, vadeanst dan'n Bauan sei bläßadö Kuah!"

Darüber schauten sich Bauer und Knecht verwundert an, denn es war beiden ein Rätsel, daß das Kasmandl um ihren Handel wußte. 

 

(Michael Dengg, Lungauer Volkssagen, Im Selbstverlag des Verfassers, Mauterndorf 1973, S 194)

 

 

"Kasmandl" von Martin Wieland, 8 Jahre, Mauterndorf

Oktober Untersberg - Unterweltsberg

Unsere Oktober-Wanderung führte uns diesmal ganz spontan zum Untersberg, angeregt durch einen Vortrag des slowenischen Künstlers und Geomanten Marco Pogacnik.

Es ist ein Genuß ihm zuzuhören, seinen aus tiefstem Herzen kommenden Botschaften über die zukünftige Entwicklung von "Gaia" unserer Erde. Er zeigte uns, wie man einen Berg grüßt und wie z.B. die Antwort des Untersberges auf seine Begrüßung lautet - nämlich "Unterweltsberg".

Der Untersberg speichert in seinem Innerem Kräfte, die Marco Pogacnik als Urkräfte oder Drachenkräfte bezeichnet. Diese werden verstärkt für uns Menschen wahrnehmbar, wenn wir unsere eingeengte Sichtweise aufgeben und zulassen, daß es mehr gibt, als wir mit dem Verstand erkennen können.

Durch bewußtes Öffnen des Rückenraumes, können wir unsere Wahrnehmung verfeinern und immer intensiver spüren, was uns Mutter Erde mitteilen will. Die Erde ist ein lebendiges Wesen und möchte uns nicht nur versorgen und ernähren, wir Menschen sollen ihr als erwachsene Partner gegenüber treten und Leben fördern und unterstützen, statt es zu vergiften, auszurotten und zu vernichten.

Es gibt vom Untersberg eine Fülle von Sagen, die auf seine Vielschichtigkeit hinweisen, sie bezeichnen ihn als Wunderberg, in ihm sollen reiche Schätze verborgen sein. Von ganz unscheinbaren Dingen, die sich erst zu Hause in Gold verwandeln berichten die Untersbergsagen auch, die folgende hat uns als emsige "Kräuterbrockerinnen" besonders gut gefallen:

 

Die Goldkohlen 

 

Zu Salzburg war eine Kräuterfrau oder Kräuterbrocklerin, wie man sie dort nennt, die ging auf den Wunderberg nach Wurzeln und Kräutern, denn was da alles Gutes darauf wächst, ist gar nicht zu sagen: Tausendgüldenkraut und bitterer Enzian, Goldwurzel und Salomonsiegel, Allermannsharnisch und Teufelsabbiß, Lungenkraut und Edelleberkraut, Engelsüß und Johannisblut, Dosten und Dorant, Himmelskerzen und Herzleuchte, Farnkrautmännlein und Farnkrautweiblein und viele hundert andere Heilwurzeln und Würzkräuter, so dass es nur eine Lust ist, auf selbem Berg zu kräuteln.

Wie nun das Weiblein emsig ihres Geschäftes oblag, kam sie zu einer Wand des Berges, da lagen schwarze Brocken, sahen ohngefähr wie Kohlen aus, die warf sie auch alsbald in ihren Korb, und als dieser voll Kräuter war, ging sie heim. Zu Hause blitzte es aus den Kohlen hell und klar, gediegen Gold saß darin, die Hülle und Fülle. - Ei, des Dings willst du mehr holen, das ist der wahre Jakob und die Herzenstrostmünze! - rief die Alte. Kehrte alsbald eilend wieder zum Berge, fand aber da, wo die schwarzen Kohlen gelegen hatten, nichts als ein unsaubres Kräutlein: Ziegenlorbeeren. (Ludwig Bechstein)

 

 

 

 

Kräuterwiese am Untersberg

Dass ein Kaiser in einer tiefen Höhle im Untersberg schläft, wird immer wieder betont, doch es wird viel zu wenig darauf geachtet, dass er auch eine Tochter hat. Vor allem ist der Untersberg ein weiblicher Berg, ein Berg der Göttin, die in ihrem Schoß den schlafenden Kaiser birgt. Sie ist es, die den Bart um den Marmortisch windet, denn sie dreht das Rad der Zeit. Damit ist  rhythmisches Geschehen gemeint, Zeitzyklen, die Erneuerung bewirken und von einem dunklen Zeitalter in ein Lichtvolles führen werden.

 

Die Bewohner rund um den Untersberg hatten früher an gewissen Orten geheimnisvolle Begegnungen mit einer weißen Frau, mit einer schwarz / weißen Frau, oder einer Wildfrau. Erstaunlicherweise soll jede dieser Begegnungen einen Segen für den betreffenden Menschen, oder eine glückliche Wendung in einer schwierigen Lebenssituation mit sich gebracht haben.

Ein solcher Begegnungsort  mit der Göttin des Untersberges könnte nach unseren Forschungen eine Höhle gewesen sein, die heute Grasslhöhle genannt wird. Wir fanden sie nach schwieriger Suche und nicht ohne männliche Hilfe von Manfred, auf dem Weg zu den oberen Marmorbrüchen, in einem abenteuerlichen Zugang. 

 

 

 

 

Gleich in unmittelbarer Nähe dieser Höhle befindet sich der Ursprung der Glan, der in älteren Schriften noch als Wasserfall und sogar als Quelle mit heilendem Wasser beschrieben wird. Dass sich dies früher die Erzbischöfe zunutze machten ist sehr verständlich, denn noch vor Sonnenaufgang musste ein Reiter in einem Fässlein das kostbare Wasser täglich an ihre Tafel bringen, deshalb heißt die Quelle heute Fürstenbrunn.

 

 

 

Verbauter Ursprung der Glan
Das "Karlsohr"

Das Karlsohr, befindet sich ebenfalls beim Ursprung der Glan. Früher wurde es„Kalsohr“ genannt und gehörte nicht dem Kaiser Karl, sondern  „Kall“  bedeutet einerseits im englischen call – sprechen, rufen, die Wortwurzel kall bezeichnet aber auch eine Frau, ein Weib, ein Mädchen. Es ist eine Orakelhöhle, an der die Menschen früher vermutlich Rituale ausführten, um sich mit der Göttin zu verbinden, mit ihr zu kommunizieren. Ihre Stimme konnte hier vernommen werden, wobei das Wasser der Heilquelle der Glan und die Frauenhöhle oberhalb im Wald eine Zusammengehörigkeit bildeten.

 

Ihren hellen lichtvollen und segnenden Aspekt zeigte uns die Göttin vom Untersberg auf unserer weiteren Wanderung an diesem Tag noch sehr deutlich im Marienheilgarten des Wallfahrtsortes Großgmain. 

 

 

 

Wir begegneten aber auch ihrer dunklen, hässlichen, oft unbeliebt und verleugneten Seite. Im kleinen Heimatmuseum in Fürstenbrunn zeigte sie sich uns im Brauchtum der Region, wo sie sich als „Hexe“, als wichtige Figur der „Wilden Gjoad vom Untersberg“ befindet.

 

 

"Die Hex" vom Wilden Gjoad vom Untersberg

 

Wir werden euch noch öfter vom Untersberg berichten, denn vom Riese Abfalter, dem männlichen Partner der Göttin wollt ihr doch sicher auch noch einiges erfahren, oder?

 

 

September - Die Lammer und ihr Gebiet

Treffpunkt war der Parkplatz vor der Kirche in Scheffau.

Die nette Frau auf der Gemeinde händigte uns den Schlüssel für die Kirche aus, die einige Geheimnisse für uns bereit hielt. Der ursprüngliche, wunderschöne Altar der Kirche wurde in das Kloster Nonnberg gebracht, der Grund dafür bleibt im Dunkeln. Jedenfalls war Scheffau einstmals ein beliebter Wallfahrtsort. 

Auf dem Altar, der jetzt in der Kirche steht, ist der hl. Ulrich mit dem Fisch zu sehen. Er weist auf das wässrige Element das Scheffau umgibt, die Lammerklamm und ihr Flußdelta Richtung Golling.

Ich habe schon öfters darauf hingewiesen, daß die Göttin einer Landschaft in verschiedenen Gestalten erscheinen kann, so auch z.B. als Schlange, die sich durch die Landschaft windet.

Der Name des Flusses in Scheffau, die Lammer, wurde früher röm. La Mara genannt und weist auf - La Mer (franz. la mère = die Mutter), die Wassermutter.

Öfen (offeriere = darbringen) bedeutet, dass die Menschen hier früher das Gebiet am Beginn der Lammeröfen als fruchtbaren Schoss der Wasser-, Quell- und Flussgöttin sahen, der sie Votivgaben darbrachten.

Wir finden Spuren der Verehrung der Schlange als segenspendende Landschaftsgöttin vor allem in den Sagen, wie:

 

"SCHLANGENZAUBER AUF DER WIERAUERALM"

 

In der Wierau nächst Scheffau im Lammertal wohnte einmal eine Sennerin mit ihrem Kind. Es war ein gutherziges, fröhliches Mädchen, das allen Tieren zugetan war.

Als es nun eines Morgens allein beim Tisch saß, da kam plötzlich eine große Schlange gekrochen und sah mit funkelnden Augen auf die gute Milchsuppe. Das Mädchen erschrak darüber nicht, sondern sagte freundlich: "So komm nur, wenn du Hunger verspürst." Das ließ sich die Schlange nicht zweimal sagen, und fortan kam sie jeden Morgen gekrochen, und trank friedlich mit dem Mädchen die Morgensuppe, und dem Kind geschah durch die Schlange kein Leid.

Von dem Tag an aber gedieh auf der Wieraualm das Vieh auf das prächtigste, niemals stürzte eine Kuh ab, jede gab doppelt soviel Milch als früher, und die bösen Wetter wichen der Gegend im Kreise aus.

Doch eines Tages mußte die Sennerin samt ihrem Kinde fortziehen auf eine fremde Alm. Als die Schlange am nächsten Morgen wieder zu ihrer gewohnten Mahlzeit gekrochen kam, da empfing sie die neue Sennerin mit bitterbösen Worten, nahm einen Stock und jagte sie hinaus. Von dieser Stunde an war die Schlange verschwunden, mit ihr war aber auch das Almglück dahingegangen. Unheil über Unheil brach herein, und zuletzt musste der Bauer sogar die Alm verlassen, von der der Schlangenzauber gewichen war.

(J.Brettenthaler, Verlag d. Sgb. Druckerei 1976, S178)

 

 

 

 

 

 

Sagen wie diese kennt wahrscheinlich fast jeder, sie bergen das Wissen von der Bedeutung der Hausschlange als Schutzgeist und Glücksbringer. Der Glaube daran wurde durch die neuen "patriarchalen" Religionen bewußt verdrängt und die Schlange zum Symbol des Bösen und Unheimlichen gemacht. Das Bewußtsein, im Einklang mit den Naturgesetzen zu leben ging verloren. Heutzutage versuchen wir es wieder zu beleben, da vielen Menschen bewußt wird, wie Ressourcen verbrauchend wir leben.

 

Unsere Fahrt ging weiter nach Abtenau / Voglau, in das Gebiet Weitenau, von hier aus wanderten wir in Richtung Seebergsee. Unser Ziel war der Kronreifstein mit seinen uralten Felsritzungen, den wir auf einer Lichtung im Wald fanden. In dieser Stille und spürbaren Präsenz von Ruhe und Zeitlosigkeit, dachten wir über die Menschen nach, die diese Zeichen in den Fels geritzt haben.

Mit Sorgfalt pflückten wir auf der Kräuterwiese, was uns Mutter Erde mit vollen Händen schenkte: klebrigen Salbei, Rotklee, wilden Dost, Feldthymian, Augentrost, Schafgarbe, Brennesselsamen, Blutwurz, Rossminze, Feldminze und Weißdornbeeren. Es war alles in Hülle und Fülle vorhanden.

 

Beim Bauernhof Kronreif wieder angelangt, konnten wir uns noch mit dem Altbauer unterhalten.

Eine wunderschöne 3-stämmige Esche erfreute uns auf der Heimfahrt.

Unser Ausflug klang beim Gasthaus Lammerklause aus, mit dem festen Vorsatz, bald wieder zu kommen :-)

 

August - Der Hohe Göll

Bruni wollte unbedingt einmal auf den Hohen Göll, ich war schon vor ein paar Jahren oben und ich muß sagen, so unbedingt war mir nicht mehr danach, aber was tut man nicht alles für seine Schwester :-)

Am Vortag brachten wir ein Auto zum Bärenwirt ins Bluntautal, danach fuhren wir nach Scheffau um uns die mystischen Klammen anzusehen.

In der Früh um 5.00 starteten wir los aufs Roßfeld und gingen Richtung Purtschellerhaus, begleitet vom Sonnenaufgang. Ein herrlicher Tag zog herauf.

 

Nach 3.15h bergauf und ein bisschen klettern ;-) warn wir am Gipfel und die Aussicht dort oben ist unbeschreiblich schön. Untersberg, Watzmann, Dachstein, die übergossene Alm ... die Welt präsentierte sich in ihrem schönsten Kleid.

 

 

Nach einer Rast mit netten Bergkameraden wanderten wir weiter zum Kuchler-Kreuz und dann aufs Hohe Brett. Es ist schon weit und es ist auch zum klettern, also schwindelfrei sollte frau sein, wenn sie sich diesen Gewaltmarsch zumutet.

 

Vom Hohen Brett hinunter zum Stahlhaus, die Sonne brannte schon recht heiß herunter und wir staunten über die Menschen die sich  in der prallen Hitze hinaufquälten.

 

Auch für uns begann nun der mühseligere Teil der Wanderung, denn je tiefer wir stiegen, desto wärmer wurde es. Und es ist noch weit vom Stahlhaus zu den Jochalmen und dann ins Bluntautal, entschädigt wurden wir von den Edelweißwiesen und Blutströpferln die dort  in Hülle und Fülle wachsen.

Aber wir genossen beim Bärenwirt ein köstliches Essen und erholten uns im kalten Bluntaubach :-))

 

Über den Hohen Göll und sein umliegendes Gebiet gibt es unzählige Sagen und Mythen. Dieser Berg hat die Menschen schon immer fasziniert und angezogen. 

Die Sage von der Glücksblume möchte ich euch nicht vorenthalten:

 

Im wildesten Gelände des Hohen Göll wächst eine kleine, unscheinbare Pflanze, die auf kurzem Stiel eine blendendweiße, vierblättrige Blumenkrone trägt. Wer sie nach vielen Mühen und Gefahren findet, dem schlägt fortan alles zum Glück aus, und dieses wird zeitlebens nicht mehr von ihm weichen. Mancherlei ist jedoch zu beachten, ehe man zum Berg steigt um die Wunderblume zu brechen.

Zunächst muß man genau mit dem 12.Glockenschlag in der Neujahrsnacht von einem Haselstrauch ein Reis brechen, das neun Sprossen aufweißt. Dieses Reis muß man zu Hause zusammen mit den geweihten Palmkätzchen bis zum 1.Mai aufbewahren.

An diesem Tag hat nun der Sucher der Glücksblume genau um Mitternacht bei Vollmond den Berg zu besteigen und muß dabei auf dem ganzen Weg das Reis in der Hand tragen. Das Haselzweiglein wird ihm dabei anzeigen, welche Richtung er einzuhalten hat. Auf dem ganzen Weg darf man sich außerdem nicht ein einziges Mal umdrehen, und nur der, der strenge all diese Bedingungen einhält, kann die Wunderblume finden.

Nur einmal soll es bisher einem Menschen gelungen sein, die Wunderblume vom Hohen Göll zu holen. Es war ein Bauer aus Golling, dem das Glück hold war und dem von dieser Stunde an alles wohl geriet. Sein Vieh und seine Äcker gediehen auf das prächtigste, und er wurde zum reichsten Mann weit und breit.

 

(Schinzel-Penth Gisela, Sagen und Legenden um das Berchtesgadener Land)

 

 

Diese Sage bezieht sich auf die Reste eines Wissens, das wir heute immer besser verstehen können. Der Haselnuß Strauch und der Weidenbaum waren früher sehr beliebte Gewächse für die praktische Volksheilkunde und hatten auch im Brauchtum einen hohen Stellenwert bei den Menschen.

Doch die Haselnuß diente auch als Vermittler, als so genannte Wünschelrute half sie bei der Suche nach verborgenen Schätzen, die nicht immer nur auf materielle Werte bezogen waren. 

Mit den Schätzen der Erde, von denen die Märchen und Sagen oft erzählen ist auch innerliche Fülle und der Reichtum eines Menschen gemeint, der sich in Form von glücklichen Ereignissen, Gesundheit und Wohlbefinden ausdrücken kann.

Verschiedene Prüfungen sind jedoch zu bestehen und die richtige Lösung von Aufgaben zu finden, um sich als Mensch in höhere Dimensionen weiter zu entwickeln, sich geistig zu verwandeln. Zur Kontaktaufnahme mit der geistigen Welt ist ein gewisser Schlüssel nötig, symbolhaft dafür steht das Pentagramm oder die Glücksblume.

Es gibt auch in anderen Landschaftsgebieten ähnliche Sagen, die von einem geheimnisvollen Tor in die "andere Welt" berichten. Es soll sich zu bestimmten Zeiten öffnen und kann von Menschen nur unter genau einzuhaltenden Bedingungen durchschritten werden. 

Meist gelangt der Suchende dann in eine Höhle und erhält kostbare Schätze. Wer alle Prüfungen besteht, dem ist von da an "das Glück hold", so wie dem Bauer aus Golling. Er ist ein Beispiel dafür, daß Menschen diese Schätze in der Landschaft finden können, wenn sie den Rhythmus der Natur spüren und im Einklang damit leben.

Das Pentagramm auf den Felsbildern im Bluntautal, auch "Drudenstern" genannt, soll ein Schutzsymbol der Hexen gewesen sein. Die Kelten kannten und verwendeten dieses Symbol noch und gaben es an die nächste Generation der Bergarbeiter am Dürnberg weiter.

"Dieser in Italien von den Galliern herrührende Glaube an die Zauberkraft des Drudenfußes wird bei uns namentlich von den Bergleuten geteilt. So bestand bei den Knappen der Saline Hallein noch zu Anfang dieses Jahrhunderts der Gebrauch, drei Drudenfüße mit Kreide auf ihre Hausthüren zu zeichnen, offenbar um die Drud und andere Unholde zu verscheuchen. Die Missionare oder spätere kirchliche Vorschriften, scheinen dieses heidnische Abzeichen durch Einführung der nun auf allen Thüren der Bauern-Wohnungen bemerkten Anfangs-Buchstaben der Namen der heil. Drei Könige C.M.B. verdrängt zu haben." 

(Koch Matthias, Ueber die älteste Bevölkerung Oesterreichs und Bayern, Leipzig 1856, google books, S 104)

 

 

Hinter diesem Schutzsympbol verbirgt sich jedoch noch viel mehr, denn richtig angewendet, diente es dem menschlichen Bewußtsein zur Verwandlung, zur magischen Reise in die "Anderswelt". Dieses Wissen war in vielen Kulturen bekannt, die Märchen und Sagen von der Suche nach einer Wunder- oder Glücksblume beziehen sich darauf.

Für die Rosenkreuzer war es die fünfblättrige Rose, Leonardo da Vinci kannte ebenfalls die mehrdimensionalen Eigenschaften des Pentagrammes.

Es gibt viele Heilige Berge, deren Sagen sich auf eine ganz besondere Blume beziehen, bekannt ist die Triglav-Rose vom höchsten Berg in Slowenien, in Tirol hütete der Zwergenkönig Laurin einen Rosengarten und im Tennengau ist es eine weiße Glücksblume vom Hohen Göll. 

Jedes Jahr im Frühling erwachen die Wachstumskräfte, die auf eine gewisse Weise mit dem Berg selbst zusammenhängen und von ihm ausgehen. Die dahinter stehende Symbolik weist auf die Göttin, als Hüterin der Quelle des Lebens hin. Es ist ihr heiliges Symbol und stand für Leben und Gesundheit.

In der Natur finden wir das Pentagramm in den vielfältigsten Arten, wie die Schlüsselblume und die Schneerose aus dem Bluntautal zeigen, eine aufgeschnittener Apfel birgt in seiner innersten Mitte ebenfalls den fünfzackigen Stern.

(Text diesmal von Bruni :-)

 

 

Juni - Golling - Rabenstein

Treffpunkt war der Eglsee in Golling, ein entzückender Seerosenteich. Von dort aus wanderten wir auf den Rabenstein, von dem J. Brettenthaler folgende Sage erzählt:

Vor alter Zeit stand auf der Höhe über der Hiasenwand nächst Golling eine Burg.

Die Burgfrau war jung und schön, deshalb hatte sie große Freude an Schmuckstücken jeglicher Art. Doch am teuersten unter all den Schätzen war ihr einfacher Goldreif mit einem herrlichen blauen Saphir. 

Jedesmal aber, wenn die Burgfrau ein Bad nahm, hatte sie die Gewohnheit, diesen Lieblingsring auf das Fensterbrett zu legen. Doch eines Tages, als sie ihn wieder anstecken wollte, war er verschwunden! 

Nun war erst vor kurzem ein junger Hirte auf die Burg gekommen, und dieser wurdes des Diebstahls verdächtigt. Obwohl er immer wieder seine Unschuld beteuerte, verurteilte ihn der gestrenge Richter zu Tode und der Unglückliche wurde hingerichtet.

Doch als etliche Wochen später Holzknechte auf der Hiasenwand eine Tanne fällten, fanden sie im Gezweig ein Rabennest und aus ihm fiel der Ring!

Die diebischen Vögel hatten den glitzernden Rind auf dem Fensterbrett erspäht und ihn in ihr Versteck geschleppt. 

Das Lieblingsschmuckstück der Burgfrau war damit wiedergefunden, doch das schwere Unrecht konnte nicht wieder gutgemacht werden. 

Zur Sühe wurden Rabe und Ring in das Gollinger Wappen aufgenommen, der Felsenrücken aber, auf dem einst eine Burg stand, heißt noch immer der Rabenstein.

Heute zeigt das Gollinger Wappen in seinem obersten Teil außerdem die Gestalt des heiligen Evangelisten Johannes, diese Darstellung dürfte erst im 16.Jahrhundert hinzugefügt worden sein.

 

 

Es ist nicht schwierig aus dieser Sage das alte Wissen herauszufiltern, frau muß sich nur mit matriarchaler Symbolik auskennen. Überall in Golling stößt man auf den Raben und den Ring.

Der schwarze Rabe und der Ring sind Symbole einer Göttin, die auch in Tiergestalt erscheinen kann. Sie wurde von den Menschen seit der Jungsteinzeit als Muttergöttin verehrt und im Ablauf eines Jahres zu bestimmten Zeiten an ganz besonderen Plätzen in der Landschaft aufgesucht. 

Die Menschen hatten damals matriarchale religiöse Glaubensvorstellungen und siedelten bevorzugt dort, wo sie der Erdmutter nahe waren.

Daß der Rabenstein schon in der Jungsteinzeit besiedelt war, ist durch Grabungsfunde gut belegt.

Diese alteuropäischen Ureinwohner wurden durch die später einwandernden patriarchalen Völker der Germanen, Kelten und Römer verdrängt, ihre Rückzugsgebiete waren bevorzugt der Untersberg, seine Höhlen und Umgebung.

Wir kennen die Bezeichnung "das kleine Volk" oder die "kleinen Leute", doch damit waren keine Zwerge gemeint, vielmehr wurden diese Menschen im Zuge der Verdrängung vor allem durch die Christianisierung zu Zwergen herabgewürdigt. (Auch wenn ein "selbsternannter Alpenschamane" uns eines Besseren belehren möchte und von seinen "Untersbergzwergerln" schwärmt ;-)

Unsere heimischen Sagen haben viel altes Wissen bewahrt und so möchte ich euch die nächste Sage von den "Untersbergern" in Golling nicht vorenthalten:

 

Der Rabenstein bei Golling fällt gegen Norden mit einer jähen Wand ab. An ihrem Fuße liegt das Hiasengut, deswegen wird der Felsabbruch "die Hiasenwand" geheißen. Mitten in der Wand ist ein Höhleneingang zu sehen; man nennt ihn das "Mandlloch". Es soll mit dem Untersberg in Verbindung stehen, die Untersbergzwerge gingen früher in dieser Höhle ein und aus. Sie suchten von dort häufig die Kirche zu Kuchl auf und hielten daselbst ihre Gottesdienste.

Damals hatte die Hiasenbäuerin in der Kellau gar schöne Zeiten! Wenn sie am frühen Morgen in den Stall ging, um das Vieh zu versorgen, war schon alle Arbeit getan. Es war sauber und aufgeräumt, die Kühe waren gemolken und gefüttert, und das große Faß stand voll schäumender, fetter Milch. 

Lange Zeit freute sich die Hiasenbäuerin über ihre Helfer. Schließlich packte die aber doch die Neugierde und sie wollte wissen, wer die Unbekannten wären. Deshalb legte sie sich eines Abends beim Streuloch auf die Lauer und wartete. Als es drei Uhr früh war, sah sie zwei steinalte, kleine Männlein in den Stall treten. Sie taten flink und sauber ihre Arbeit, tranken hierauf ein Schlücklein kuhwarmer Milch, verließen den Stall und stiegen rasch zur Höhle im Rabenstein empor, wo sie verschwanden.

Nun legte ihnen die Bäuerin jeden Abend zwei Stück Schwarzbrot - eines mit Käse, das andere mit Speck - auf den Melkstuhl und jeden Tag war alles sauber aufgegessen.

Weil aber die Männlein so armselige, graue Gewänder trugen, war die gute Bäuerin von Mitleid erfüllt. Sie nähte und strickte ihnen schleunigst Joppe und Höslein. Dann legte sie alles auf den Melkstuhl. Als die Wichtlein die neuen Sachen sahen, schrien und jammerten sie und verließen den Stall, ohne die gewohnte Arbeit verrichtet zu haben. 

Von da an hat niemand mehr bei Golling die kleinen Berggeister zu Gesicht bekommen. (J. Brettenthaler)

 

 Bei diesen "kleinen grauen Männlein" könnte es sich um Menschen der Vorbevölkerung handeln, die vom Untersberg kamen und bei den Bauernhöfen der weiteren Umgebung um einen geringen Lohn - um's Essen - arbeiteten. Da sie sehr vertraut mit der Natur waren und viel Erfahrung im Ackerbau und in der Viehzucht, sowie mit der Verarbeitung der landwirtschaftlichen Produkte hatten, gaben sie dieses Wissen oft an die Menschen der nachfolgenden Bevölkerung weiter. Hilfsbereitschaft und Gastfreundlichkeit waren matriarchale Werte, die nicht bezahlt und entlohnt werden durften. 

Die ursprüngliche Bedeutung des Wappens von Golling hält nach unserer Vermutung die Erinnerung an eine früher im Raum um Golling verehrte Muttergöttin fest, deren Attribute Rabe und Ring waren.

Dies zeigt auch ein wunderschönes Bild an einer Hausfront im Zentrum von Golling.

 

 

Wir wanderten also hinauf auf den Rabenstein und meditierten oben zwischen Eiben, Birken, Buchen, Fichten und Lärchen, einfach traumhaft.

Vom Rabenstein sieht man direkt zum Nikolauskirchlein von Torren und dem Gollinger Wasserfall (er ist natürlich im Wald versteckt)!

Hinunter gings in den Ort Golling in die Kirche, auch hier fast unverhüllt die alte Symbolik, Maria als Nachfolgerin einer verehrten  Landschaftsgöttin die sich das Volk niemals nehmen lassen würde.

 

 

 

Wir verließen die Kirche um einer Taufgesellschaft Platz zu machen und wandten uns der Burg Golling zu um das Museum zu besuchen. 

Leider wurden unsere Gelüste nicht befriedigt, denn die ursprüngliche Ausstellung mußte den Römern, die so garnicht unser Ding sind, Platz machen und so zogen wir weiter in die Konditorei Meier und ließen bei Kaffee und Kuchen den Tag ausklingen.

 

 

Mai - Dauerregen und Hochwasser

Bruni und mir war es unmöglich im Mai etwas zu unternehmen, zuerst hat es nur geregnet und dann kam das Hochwasser!

Aber wir wissen alle - nach Regen kommt auch wieder die Sonne.

 

 

April - Die Schranne am Saling in Bruckdorf

Treffpunkt war bei Bruni in Mauterndorf, von hier aus wanderten wir über Steindorf über das „Knia“ , Fanning links liegen lassend, nach Bruckdorf.

 

Einst war die Bruckdorfer Schranne am Saling der erste und einzige Markt des Lungaus und das kam so:

 

Um das Jahr 740 nach Christus wurden die Bajuwaren von den Slowenen zu Hilfe gerufen gegen ihre Bedrücker, die Awaren. Die Slawen wurden zwar von den Awaren befreit mußten nun aber die Baiern als neue Grundherren ansehen.

Dieser neue Grafschaftsbereich  „LUNGOVUE“ war ursprünglich nur das Talbecken des Weißpriachbaches bis zu seiner Einmündung in die Taurach. Von hier aus erhielt später der ganze heutige Lungau mit allen Nebentälern seinen Namen.

Zu den Aufgaben der Gaugrafen gehörte u.a. auch die Gerichtsbarkeit.

Am Salinghügel wurden dem Volk – das ja nicht lesen und schreiben konnte – die bajuwarischen Rechtsauffassungen und Untertanenpflichten lautstark und eindringlich verkündet, sozusagen wurde die slawische Bevölkerung umerzogen. (Saling bedeutet Herrenhügel,  ing = Kennzeichen bajuwarischer Herrkunft).

Wenn zweimal im Jahr – zur Sommersonnenwende und im Herbst – Gericht gehalten wurde und das Volk zusammenströmte, bot das auch Anlaß zu allerlei Handel und so entwickelte sich die Schranne.

Unter freiem Himmel wurde auf dem Hügel  Gericht gehalten und auch mit Bluturteilen nicht gespart. Es war eine harte und raue Zeit für die Bevölkerung.

 

 

 

 

Der Gerichtsplatz
Blick nach Mariapfarr
Blick nach Mauterndorf

 

 

Um das Jahr 1100 wurde aber die alte Römerstraße über den Radstätter Tauern wieder instand gesetzt und der Verkehr über den Weißpriacher Tauern versiegte schlagartig.

So kam es das Mauterndorf einen gewaltigen Aufstieg erlebte und sich zum wirtschaftlichen Hauptort des Lungaus entwickelte, 1217 bekam es das Marktrecht, St. Michael und Tamsweg folgten.

Das Domkapitel und der Erzbischof erhielten immer mehr Bedeutung und entmachteten im Laufe der Zeit die Gaugrafen und so geriet Bruckdorf langsam in Vergessenheit.

Diese reiche Vergangenheit sieht man ihm heute nicht mehr an.

Gehen wir aber in der Geschichte etwas weiter zurück waren die ersten Menschen ca. 9000 v. C.  im Lungau, vermutlich als durchziehende Jäger oder Landsucher, die Steinzeitmenschen.

Sicher wissen wir aber das ca. 1000 v.C. die Illyrer bereits im Lungau heimisch waren, sie verschmolzen sich später mit den Kelten, ihnen folgten die kriegerischen Römer, die auf Gebietseroberungen aus waren. (Quelle: Heimat Mariapfarr/Prof. Josef Schitter/Eigenverlag 1975)

 

Das heißt der Lungau ist schon lange durchgehend besiedelt und das Wort salig oder salic heißt auch heil, im Sinne von ganz und unversehrt sein am ganzen Körper, das kommt aus dem althochdeutschen (Quelle: Erni Kutter, Der Kult der drei Jungfrauen, S204).  Der Hügel in Bruckdorf könnte demnach ein „heiliger Hügel – ein Kulthügel“ gewesen sein. Das läßt sich heute nicht mehr feststellen, aber doch vermuten.

 

Unser nächste Ziel war die Wollschlagerei Bruckdorf. Der Besitzer war gerade beim Wolle färben und erklärte uns bereitwillig wie 100 kg Schafwolle eine wunderschöne gelbe Farbe bekommen. Seine Maschinen sind bereits 100 Jahre alt, aber gut gewartet und daher voll funktionsfähig. Wir kauften Filzwolle in allen Farben, die bereits sortiert in Taschen auf uns wartete.

 

Weiter wanderten wir auf der alten Straße entlang des entzückenden Weißpriachbaches nach Fanning und von hier aus wieder über das „Knia“ (so heißt es dort wirklich) nach Mauterndorf zurück.

Um während der Wanderung auch nützliches zu tun, sammelten wir Spitzen von Dornenarten wie Brombeeren, Himmbeeren, Halselnuß, Wildkirsche, Lärche, Esche, Berberitze (Gischgalitzn im Lungau) und Pappeln. Es gibt jetzt noch keine Schößlinge es ist ja gerade erst der Schnee weg.

Aus diesem Sammelgut kochte uns Bruni sogleich einen Tee der gar nicht schlecht schmeckte.

(Frühlingskur nach Pfarrer Johann Künzle, nachzulesen unter DANIS-TIPPS / Quer durch Wald und Wiese)

 

MÄRZ: Die Gegend um den Haunsberg

Treffpunkt war der Wiesenberg in Seeham bei unserer Freundin Monika. Von Seeham aus gings zuerst zum wunderschönen, verwunschenen Grabensee. Um zum "Gnadenbründl in der Seebuchet" zu kommen, wandert man gemütlich durch eine wunderschöne Waldlandschaft und wird dann mit einem traumhaften Blick auf den Grabensee belohnt.

Es war früher eine beliebte Winterpilgerreise,  das Wasser schmeckt "warm und weich" und kann wie Weihwasser verwendet werden. 

Dankbar, dass wir das Gnadenbründl noch so in seiner ursprünglichen Form sehen durften - selten das Wasser ins Wasser fließt, denn anscheinend soll die Quelle neu gefaßt werden und der Ort wird dann ganz sicherlich seine jetzige Qualität verändern.

 

 

 

 

Das kleine Kirchlein in Gebertsham war unsere nächste Station. Ein toller Kraftplatz mit Blick über den Mattsee. Eine beliebte Hochzeitskirche, das ist gut vorstellbar auch wenn uns heute der Wind saukalt um die Ohren blies. Um den Schlüssel brauchten wir garnicht lange bitten und so konnten wir den Flügelaltar aus der Zeit um 1500 und die schönen Wandmalereien bewundern.

In dieser Gegend gibt es viel zu entdecken - schöne Plätze mit alten Eichen, Tante Emma-Laden wie wir sie von früher in Erinnerung haben, einen neuen Laden wo sich alles ums Wild dreht und vieles mehr....

 

 

 

 

Gemütlich kutschierte uns Monika weiter über Berndorf, Nußdorf nach Schlössl zur Kirche St.Pankraz. Ein verwunschener, versteckter Ort der sich uns heute leider nur von der Straße aus zeigte. 

Es gibt ja die Sage vom Maunzteufel vom Haunsberg, einem menschenähnlichen Geschöpf das um die Zeit von 1600 gefangen und zur Schau gestellt wurde. In Hellbrunn steht das steinerne Abbild dieses armen "Untiers" das bald in Gefangenschaft verstarb.

 

 

 

 

Von Schlößl aus ist es nicht mehr weit zur Kaiserbuche die leider 2004 einem Sturm zum Opfer fiel. Neben der Kapelle wurde aber aus den Samen der alten Buche ein neuer Baum gepflanzt, der sich schon gut entwickelt hat. Man kann sich  vorstellen, dass Kaiser Josef II dieser Rundblick auf seine Ländereien gut gefallen hat und auch wir waren beeindruckt von der Lieblichkeit der Landschaft, die sich noch in ihr Winterkleid hüllte.

Die Erde ist so schön und wir sollten nicht vergessen: Wir sind nur Gast auf Erden! - und so sollten wir uns auch benehmen.

 

Über verschlungene, schmale Waldwege brachte uns Monika wieder sicher auf den Wiesenberg wo ein köstliches Mittagessen auf uns wartete das uns Herz und Magen erwärmte und so klang der Tag auf das gemütlichste aus....

 

 

FEBRUAR: Hallein und Umgebung

Treffpunkt war die Kirche in Puch, eine „Frauenkirche“, wunderschön die Darstellung der drei heiligen Frauen – Barbara, Katharina und Margarethe – mit ihren gütigen, sanften Gesichtern.

Wenn man von einer Ur-Bevölkerung weit vor den Kelten ausgeht, die den Jahreskreislauf im Rhythmus der Natur eingeteilt haben, so trägt die weiße Göttin noch ihr Kleid und wird dann in ihre grüne Phase übergehn (siehe auch das grüne Kleid der hl.Barbara!). Und auch uns hätte es heute sehr gefreut, wenn schon ein frühlingshafter Tag gewesen wäre. 

 

 

Weiter gings nach Oberalm zum Dingplatz, der genau gegenüber der Barmsteine liegt wo die untergehende Sonne ihre Strahlen noch rüberschickt, wenn die umliegende Landschaft bereits im Schatten liegt und zwar am Tag der hl.Agatha dem 5.Februar. Man kann sich vorstellen wie beeindruckt die Menschen der Frühzeit von solchen Erscheinungen waren und so den Frühlingsbeginn, die Zeit der grünen Göttin, berechneten. 

Im Blick vom Dingstein aus zu den Barmsteinen sieht es so aus als würde die Göttin (Ana) herüberschauen und neben ihr liegt langgestreckt ein Drache (Ana mit dem „Wurm“), heute eingetaucht in milchig, weißes Winterlicht wie hinter einem zarten Schleier.

 

 Wir fuhren weiter nach klein Kirchental – früher liebevoll „Kirchentalerl“ genannt. In einer  hässlichen, kitschigen Kapelle (ich sage das nicht wirklich gerne, es ist aber so) wird heute dort Maria verehrt. Dort wo aus der Wand ein Rohr das Wasser herausleitet war vermutlich die Quelle die einst kultisch verehrt wurde. Es ist wirklich schwierig heute noch Spuren zu finden. 

 

Dazu folgende Sage:  „Die Sage vom Kleinen Kirchental“

Im Jahre 1677 hütete ein Hirtenknabe die Schafe des Riesenbauern, seines Dienstherrn. Da geschah es, dass ein Lämmlein in Verlust geriet und der verzagte Knabe getraute sich deswegen die ganze Nacht über nicht mehr nach Hause. In seiner Not flehte er innig zur Mutter Gottes. Und welch ein Wunder! - Plötzlich stand die heilige Jungfrau vor ihm und hielt ihm auf ihren Armen das verloren gegangene Tier entgegen. Am nächsten Tag erzählte der Hirtenknabe das seltsame Erlebnis seinem Herrn. Dieser ließ an der Erscheinungsstätte der Muttergottes, neben dem rauschenden Kotbach, an der Felswand eine Gedächtniskapelle erbauen, das "Kleine Kirchental" genannt. Diese Marienstätte fand lange große Verehrung.

(J.Brettenthaler: Das Salzburger Sagenbuch, Sbg. 1976, Verlag d. Sbg.Druckerei, S 155)

 

Das Wasser der Quellen wurde kultisch verehrt, dort wurden u.a. auch Tiere geopfert. Der Hirte steht stellvertretend für die Bevölkerung, die in der Umgebung von Hallein Ackerbau und Viehzucht betrieb. Das Schaf hat er vermutlich gar nicht verloren, sondern an der Quelle geopfert um damit alljährlich im Frühling die Quellgöttin zu ehren.

Der Name „Kotbach“ bedeutet klarer, reiner Bach. Zum Wallfahrtsort wurde dieses Quellheiligtum durch die Christianisierung und vor allem im Mai, aber auch an den goldenen Samstagen, war dort ein reger Besuch.

Nachdem zuvor von der Jugend der heilige Ortsbrunnen zur Feier des Tages auf das festlichste geschmückt war, zog die Gemeinde in feierlicher Prozession zu der Quelle hin, wo eine reich mit Blumenschmuck versehene Opfergabe dargebracht ward. Man wollte dadurch von der über die Quellen waltenden Gottheit, der Berchta, Holda, Fria etc. Fruchbarkeit für das Jahr erlangen.

(U.Jahn: Die Deutschen Opfergebräuche bei Ackerbau und Viehzucht, Breslau 1884, M.u.H.Marcus, S143)

 

Anschließend besuchten wird das Halleiner Keltenmuseum wo derzeit eine kleine, feine Ausstellung von Wachs- und Lebzeltermodeln der Konditorei Braun ausgestellt wird. Und auch hier finden wir wieder Spuren aus uralten Zeiten wie z.B. die Fischfrau (das wässrige Element - die Salzach).

Die Göttin wurde ja sowohl im Wasser, Himmel, Quelle und auch Steinen verehrt.

Unendlich viele Spuren sind noch zu finden und zu entdecken in dieser wunderschönen Landschaft und wir konnten den Tag- leicht unterkühlt aber reich beschenkt abschließen.

 

 

 

JÄNNER: Mauterndorf

Heute warn Bruni und ich in unserem Heimatort Mauterndorf unterwegs. Im Ortsteil Ledermoos befindet sich auf einem Hügel beim Wetterkreuz ein artesischer Brunnen. Früher konnte man dort auf der Wiese kneipen, seit einiger Zeit jedoch ist die Quelle gefasst. Die Besitzerin, Frau Zilli Stolz war leider nicht zuhause aber ihr Sohn, ein netter junger Mann, ließ uns bereitwillig unsere Flaschen füllen. Das Wasser ist glasklar und hat einen leicht erdigen Nachgeschmack. 

Weiter gings Richtung Steindorf wo wir bei einer wunderschönen Fichte halt machten und dann wieder heimwärts nach Mauterndorf.

 

 

Heilige Orte sind heilende Orte

Airmid – Göttin der Heilkunst

 

Die Iren haben viele Göttinnen der Heilkunst. Die bekannteste von ihnen ist Airmid, die Tochter des Medizingottes Dian Cécht der Tuatha De Danann. Sie und ihr Bruder Miach fertigten für den Tuathakönig Nuada eine Silberhand an, damit seine behinderte Hand ihn nicht vom Regieren abhalte. Danach tötete Dian Cécht Miach aus Eifersucht.

Airmid pflegt das Grab ihres Bruders, indem sie darauf alle Kräuter der Welt anpflanzte. Dort „sprach“ sie zu den Kräutern und katalogisierte ihre heilenden Wirkungen. Auf diese Weise lernte sie die Heilmittel für alle Krankheiten der Erde kennen. Nachdem sie die Kräuter geerntet hatte, legte sie diese der Reihe nach auf eine ausgebreitete Decke um sich besser an ihre Eigenschaften erinnern zu können. Als der eifersüchtige Dian Cécht dies sah, schüttelte er die Decke aus und zerstreute das Wissen um die Heilungen im Wind.

Laut Legende besaß Airmid für jede Krankheit ein Heilmittel und diese Mittel liegen immer noch irgendwo draußen verborgen und warten darauf, wieder entdeckt zu werden!

(aus Edain McCoy: Die keltische Zauberin, München 2003, W.Henye Verlag, S 201)

 

So ein Heilmittel ist z.B. die Fichte. Ihr Harz, auch Waldweihrauch genannt, ist vielseitig zu verwenden. Ein kleines Stückchen gegessen, stärkt vor allem die Darmgesundheit. 

 

 

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Frau Vera hilft weiter!


Liebe Frau Vera    Ihr Artikel über Frau Mizi Humtidumm hat mir Mut gemacht Ihnen zu schreiben. Ich lese Woche für Woche Ihre Zeitschrift "Miesmutz" und staune  über die Mö