Auf den Spuren der Göttin

 

Dani und ich sind einmal im Monat den ganzen Tag auf den "Spuren der Göttin" im Bundesland Salzburg unterwegs. Die Suche nach den matriarchalen Wurzeln in unserer heimischen Landschaft ist immer wieder sehr spannend und erlebnisreich.

Mit der Frage "Was zeigt uns der Ort von sich?" begeben wir uns früh am Morgen, sehr achtsam in eine Region unserer Wahl.

Wir suchen immer etwas ganz Besonderes - Den Fußstein der Berchtel, einen Baum von dem die Kinder kommen sollen, einen Hexentanzplatz, eine Heilquelle, einen geheimnisvollen See oder ein versunkenes Schloss.

Meist sind es Plätze die oft nicht mehr bekannt und erst nach längerer Suche zu finden sind. Wir verlassen uns dabei auf unser eigenes Gespür, manchmal helfen uns kundige Einheimische, die uns immer wieder begegnen, auch weisende Tiere haben uns schon geführt, wie im Pinzgau ein dreibeiniges Reh. 

Es ist vergleichbar mit einer Schatzsuche, wir wandern in die Natur und finden an diesem Tag meist so viel, dass wir reich beschenkt heimkommen.

Da wir beide im Sternzeichen Schütze geboren sind, wollen wir unser Wissen ständig erweitern und so hat unsere Suche nach der Landschaftsgöttin im Lungau begonnen.

Vielleicht war es auch der "Ruf der Wettersteinhexe" aus unserem eigenen Heimatort Mauterndorf. 

Sie lebte am Fuße des Speierecks, einem Berg, auf dem sich die Hexen aus dem ganzen Lungau zum Tanz trafen, doch davon erzähle ich ein anderes Mal...

 

Was ist Landschaftsmythologie

Die moderne Landschaftsmythologie fordert uns auf, vernetzt zu denken und viele Forschungsbereiche, wie die Volks- und Heimatkunde, die Archäologie, das Brauchtum, die Symbole in den Kirchen und vor allem die spezifischen landschaftlichen Ausprägungen einer Region zu beachten. 

Wir wissen durch die Erkenntnisse der modernen Matriarchatsforschung, dass es in ganz Europa schon seit der Jungsteinzeit eine europäische Urbevölkerung gab, die nach matriarchalen religiösen Glaubensvorstellungen lebte und uns sehr viele Spuren hinterlassen hat. Vom Mittelmeer kommend, suchten diese Menschen im Alpenraum nach den kostbaren Bergschätzen, betrieben aber auch Ackerbau und besiedelten viele unserer Täler. 

Sie lebten in Familienclans, in denen die älteste und damit weiseste Frau das Familienoberhaupt war und den gemeinsamen Besitz verwaltete. Die Töchter blieben in der mütterlichen Familie, Männer konnten auf Besuch kommen, lebten aber hauptsächlich in ihrem eigenen Familienclan.

 

 

Die Verehrung der Göttin

Die Menschen der matriarchalen Kulturepoche verehrten eine Göttin als ihre Ahnfrau und Mutter und siedelten bevorzugt dort ,wo sie ihre Gegenwart in der Landschaft erkennen konnten, wo sie sich ihr nahe fühlten. In unserem Bundesland wurde die Frau Bercht, Berchta oder die Perchtl genannt, die einerseits als hell strahlende und Segen bringende Göttin, andererseits als hässliches, dämonisches, böses Weib galt. 

Diese zwei Erscheinungsformen der Göttin gehören jedoch zusammen, sie verweisen auf ihren Leben spendenden und auf ihren Tod bringenden Aspekt. Im Bundesland Salzburg finden wir vor allem im Brauchtum noch viele Spuren, die der Verehrung der Frau Bercht galten.

Die dreifache Göttin

Im Frühling erscheint die Göttin als junge, weiße Frau, alles wächst, gedeiht und erblüht.

Im Sommer zeigt sie sich als rote, reife Frau. Mit ihrem Heros-Partner feiert sie die heilige Hochzeit, durch ihre Vereinigung sichern sie die Fruchtbarkeit der Erde.

Im Herbst erscheint die Göttin als Schnitterin, sie schneidet das Korn, alles Wachstum hat seinen Höhepunkt erreicht und muß geerntet werden. Der Prozess vom Abbau und Sterben in der Natur beginnt. Die Strahlen der Sonne werden schwächer, alles Leben zieht sich zurück, es ist die Zeit der alten Frau, der schwarzen Göttin. Sie ist eine "Tod im Leben Göttin", denn Altes muß sterben, bevor ein neuer Kreislauf beginnt.

Mit der Geburt des Lichtkindes zur Wintersonnenwende schenkt sie den Menschen neue Hoffnung auf ein Wiederkehren des Frühlings, der Wärme und des neuen Wachstums.

Sie dreht das Rad des Jahres in einem kosmischen Rhythmus, dem der Mond und die Sterne, die Sonne und alle Gestirne folgen.

 

 

Das Ende der matriarchalen Zeit

Gegen Ende der Bronzezeit wurde die matriarchale Bevölkerung von eindringenden patriarchal organisierten, kriegerischen Völkern verdrängt und unterdrückt. Um Überleben zu können, mussten sie in unwegsame Rückzugsgebiete ausweichen. Unsere Sagen von Zwergen, Waldweiblein und Wilden Leuten erzählen von geschichtlichen Tatsachen und Ereignissen, die wirklich stattgefunden haben.

Viele Volkskundeforscher berichten gerade im Bundesland Salzburg von einem Brauchtum, welches von Frauen zur Wintersonnenwende ausgeübt wurde. Sie gingen als drei Berchteln von Haus zu Haus, gekleidet in Rot, Schwarz und Weiß, mit herabhängenden langen Haaren, mit einem Buckelkorb, einer Schere und einem Besen. Das sind unsere alten Wurzeln, sie erzählen von einer Zeit, in der Frauen Kulte ausübten und als Priesterinnen, Hebammen und Heilerinnen tätig waren.

Durch einen Jahrtausende währenden Verdrängungsprozess gelang es, zuletzt auch durch die Christianisierung, einen Vatergott an Stelle der früher verehrten Muttergöttin einzusetzen. Dies symbolisieren auch die Bilder vom Ritter Georg, der zur Bekämpfung des Drachen, einem Symbol für die vorchristliche Religion, eingesetzt wurde.

Die Göttin wurde zur Hexe, zu einem hässlichen alten Weibl, zu einer verwünschten, erlösungsbedürftigen Frau. Ihre früheren heiligen Plätze in der Natur wurden als verhext und verteufelt dargestellt, um die Menschen daran zu hindern, sie weiterhin aufzusuchen.

Die Gottesmutter Maria wird heute an unzähligen Heilquellen, Steinen und Bäumen verehrt, sie ist die Nachfolgerin der vorchristlichen Landschaftsgöttin.

Die einstigen Frauenkultplätze wurden mit Kirchen überbaut, sehr oft gewaltsam zerstört und ihre wahre Geschichte umgeschrieben.

Deshalb ist es heute für Frauen und Männer so wichtig, wieder auf Spurensuche zu gehen, um sich zu "Erinnern" an eine Zeit, in der das weibliche Prinzip geachtet und verehrt wurde.

Vielleicht können wir mit unseren Forschungen dazu beitragen, die Rückkehr der Göttin in das Bewusstsein der Menschen zu bringen.

Jeder möchte die Welt ein bisschen verbessern, Dani und ich natürlich auch!

 

Viel Freude mit den zukünftigen Beiträgen!

 

Mauterndorf am 7.Mai 2012

Brunhild  Griesner

 

 

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Liebe Frau Vera    Ihr Artikel über Frau Mizi Humtidumm hat mir Mut gemacht Ihnen zu schreiben. Ich lese Woche für Woche Ihre Zeitschrift "Miesmutz" und staune  über die Mö